25 Jahre genua, was macht man dazwischen?

25 Jahre genua, was macht man dazwischen?

Projekte, Meetings, Konferenzen – irgendwann braucht jeder mal eine Pause. Und wenn die ein Stück weit weg von dem ganzen neumodischen Elektronikkram stattfindet, kann man sich dabei hoffentlich auch gut erholen. Der nächste Artikel unserer "Hobby-Serie" widmet sich dem Segeln!

Im Urlaub segeln gehen und sich vom Wind den Kopf frei pusten lassen, das ist für manche Menschen eine ziemlich gute Möglichkeit, ohne große Hektik, der Sonne entgegen. Die größte dieser Pausen hatte ich vor etwas über zehn Jahren:

Unendliche Weiten, wir schreiben das Jahr 2006. Dies ist die Geschichte der Segelyacht Galateia, die mit ihrer fünf-Mann starken Besatzung drei Wochen unterwegs ist …

Naja, nicht ganz Star Trek. Aber wenn man als einziger Wachhabender bei Neumond um 2:00 Uhr nachts lokaler Ortszeit an Deck steht, das nächste feste Land 2.000 Kilometer hinter, vor oder eben 4.000 Meter unter sich hat und den glasklaren Sternenhimmel mit der Milchstraße über einem, dann kann man schon das Gefühl bekommen, man wäre in den unendlichen Weiten des Weltraums unterwegs.

Von Gran Canaria nach St. Lucia

Zurück zum Anfang: Nach mehreren küstennahen Segeltörns, bei denen man jede Nacht in einem Hafen anlegt oder in einer Bucht vor Anker liegt, stand auch eine etwas größere Reise an: Von Gran Canaria in die Karibik nach St. Lucia. Klar macht man das ohne die nötige Erfahrung nicht alleine, sondern man quartiert sich auf einem Schiff mit einem qualifizierten Skipper ein – dafür hatten wir uns die Galateia ausgesucht. Und da der Atlantik doch relativ groß ist, macht man das besser mit vielen anderen Schiffen zusammen im Rahmen der "Atlantic Ralley for Cruisers".

Das Abenteuer beginnt

Für ein solches Vorhaben sollte man einiges vorbereiten, z. B. ausreichend einkaufen ("bunkern" in der Fachsprache), denn unterwegs hat man dazu nicht viele Möglichkeiten. Auch eine stattliche Zahl an Lehrgängen gab es vor der Abfahrt: Beispielsweise zu Astronavigation und Wetterkunde, für medizinische Notfälle und sogar eine Demo einer Bergung per Hubschrauber durch die spanische Küstenwache.

Dann kam der Start: 250 Schiffe wuseln vor der Startlinie durcheinander, jeder will eine Sekunde vor dem anderen starten, als ob das was ausmacht, bei zwei bis vier Wochen Segelzeit – aber so sind sie, die Segler. Das Feld verteilt sich sehr schnell, am Abend sieht man noch zehn bis zwanzig Schiffe, am nächsten Morgen nur noch eins bis zwei, und dann ist man allein. Einmal ist uns unterwegs eine andere Yacht begegnet, ansonsten hatten wir nur Kurzwellen- und Satellitenfunk, um sicherzustellen, dass wir nicht die einzigen auf dem Meer sind.

Ein Steuermann muss jedem Wetter trotzen!

Das Leben auf See

Wenn man zur rechten Zeit lossegelt, Ende November bis ca. Februar, ist das Wetter auf der sogenannten "Barfußroute", die auch Kolumbus bei der (Wieder-)Entdeckung Amerikas genommen hat, meist warm und sonnig und der Wind kommt relativ gleichmäßig als leichte bis frische Brise. Klar gibt es auch heftige Regenschauer zwischendurch oder es herrscht Flaute, aber spätestens nach ein paar Tagen geht es wieder zügig weiter.

Wenn man Glück hat, kann man unterwegs doch die Speisekammer auffüllen: Angel hinten raus und nach ein paar Minuten bis Stunden hängt ein Fisch dran. Je weiter man auf dem Atlantik draußen ist, desto größer werden die Fische. Einmal haben wir einen Blue Marlin erwischt, dann gab es mehrere Meter frische Fischfilets, die für die ganze Mannschaft drei Tage lang gereicht haben.

Die Kommunikation auf See ist ein anderes Thema, always-on mit Smatphones etc. gibt es nicht oder nur zu untragbaren Kosten. E-Mails versenden funktioniert z. B. via Kurzwellenfunk, allerdings nur mit ca. 200 bis 2.000 Bit/sec – nicht Kilo- oder Megabit, sondern Bit! Darüber wurden wir täglich unter anderem mit aktuellen Wettermeldungen versorgt, die wir dann per Sprechfunk an die umliegenden Schiffe weitergegeben haben.

Insgesamt waren wir etwas über 21 Tage auf See unterwegs. In St. Lucia angekommen hat es ca. zwei Tage gedauert, bis ich mich wieder an den festen Boden unter den Füßen gewöhnt hatte: Im Supermarkt einkaufen, wenn einem der Körper sagt, dass Boden und Regale heftig schwanken, war eine neue Erfahrung. Und "Stille Nacht" auf karibischen Steeldrums klingt interessant, wenn ich auch etwas gebraucht hab, bis ich das erkannt hatte.

Und danach …

Seitdem war ich fast jedes Jahr ein- oder zweimal mit verschiedenen Segelschiffen unterwegs, allerdings meist in heimischen Gewässern, wie zum Beispiel der Ostsee. Auch mit Familie ist Segeln ein toller Urlaub, selbst kleine Kinder können sich mit einfachen Maßnahmen wie einer Rettungsweste und Relingnetzen sicher auf dem Schiff aufhalten und wohlfühlen. Für sie ist das zusammen mit Mama und Papa echte "Quality Time".

 

Bildquelle: © Hella Breitkopf


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