Apple vs. FBI: Wichtige Signale aus Übersee

Apple vs. FBI: Wichtige Signale aus Übersee

Schon seit längerem hat es das Thema Verschlüsselung von den Nischenmedien in die Hauptnachrichten geschafft. Dabei geht es meist um die Probleme, die verschlüsselte Kommunikation oder Daten für die Strafverfolgungsbehörden verursachen – zum Beispiel bei der Terrorabwehr. Hier beleuchten wir den aktuellen Streit zwischen Apple und dem FBI um das sogenannte "San-Bernadino iPhone" sowie die Konsequenzen.

Die Pole sind dabei seit den "Crypto Wars" der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts unverändert: Auf der einen Seite stehen da meist die, die aus Gründen der öffentlichen Sicherheit die Kryptographie schwächen möchten, auf der anderen Seite diejenigen, die den Preis einer geschwächten Verschlüsselung für ein nicht bezifferbares Mehr an Sicherheit als zu hoch erachten. Mit der Auseinandersetzung zwischen Apple und dem FBI um die Entsperrung und Entschlüsselung von iPhones hat das Thema einen neuen Höhepunkt erreicht, der exemplarisch die industriepolitischen Folgen einer Pro-Backdoors-Entscheidung von Unternehmen klarmacht.

Apple hatte in zwei unabhängigen Fällen dem FBI die Zusammenarbeit bei der Entsperrung von iPhones verweigert. Damit war die seit den Snowden-Veröffentlichungen schwelende Diskussion um Sinn und Unsinn der Schwächung von Verschlüsselung durch die Hinterlegung von Schlüsseln oder die Einplanung von Hintertüren in Produkten wieder angefacht.

Backdoor: Freier Zutritt – für alle

Im Streit zwischen Apple und dem FBI geht es nicht nur um die simple Frage, ob das Unternehmen der Regierungsbehörde dabei helfen kann, auf die Daten eines bestimmten Endgerätes zuzugreifen, es geht um mehr: Apple sollte nach Wunsch des FBI eine spezielle iOS-Version bauen, die den Zugriff über eine Brute-Force-Attacke auf den Passwortschutz ermöglicht, inkl. elektronischer Eingabemöglichkeit des PINs, der Verhinderung der Datenlöschung nach einer bestimmten Anzahl von Fehlversuchen und dem Aufheben der Zeitverzögerung nach falschen Eingaben.

Im Streit um sichere Verschlüsselung beruft sich Apple auf den ersten und den fünften Verfassungszusatz

Aus Sicht des Unternehmens hätte man damit das gesamte iOS-Sicherheitskonzept geschwächt und durch die de-facto-Lieferung einer Software mit bewusster Backdoor die Büchse der Pandora geöffnet. Eine millionenfach ausgerollte Infrastruktur wäre nicht nur für Sicherheitsbehörden – denen Apple in den USA zunächst grundsätzlich keine bösen Absichten unterstellt – sondern auch für Kriminelle und anderer weniger wohlmeinende Organisationen angreifbar, als Feature und nicht als Bug.

Entscheidung zugunsten der Kunden

Mit der Weigerung stellt sich Apple klar auf die Seite der IT-Sicherheit und Privatsphäre – und damit auf die Seite seiner Nutzer. Und dafür hat das Unternehmen gute Gründe, die Unternehmenschef Tim Cook in einem Brief auf der Homepage des Unternehmens offenlegt. Ein interessantes Licht auf die Position von Apple wirft auch die Argumentation des Unternehmens gegen die Entscheidung eines kalifornischen Gerichtes in diesem Zusammenhang. Denn Apple argumentiert hier nicht mit juristischen Spitzfindigkeiten, sondern führt mit der Berufung auf den ersten und fünften Verfassungszusatz (Garantie der freien Meinungsäußerung sowie Garantie auf rechtstaatliche Verfahren) schweres Geschütz ins Feld.

Wichtiges Signal

Für uns als Anbieter von Kryptolösungen ist es natürlich ein wichtiges Signal, das Apple hier setzt. Denn auch wir stehen für Backdoor-freie Lösungen und kämen niemals auf die Idee, unsere Sicherheitsmechanismen vorsätzlich zu schwächen. Umso mehr freut es uns, dass andere Tech-Giganten aus dem Silicon Valley Apple unterstützen und damit ein wichtiges Zeichen gegen den Überwachungswahn setzen.

Gleichzeitig sind wir froh, dass sich der deutsche Innenminister De Maizière nach missverständlich interpretierten Äußerungen im vergangenen Jahr klar für starke Verschlüsselung ausgesprochen hat. Gleichzeitig hat er das mit der Unterzeichnung der Krypto-Charta auf dem letzten IT-Gipfel untermauert.

Wir haben also als deutscher Hersteller von Verschlüsselungslösungen politisch volle Rückendeckung für eine "No Backdoors Policy" – ein Argument, das auch international für "IT-Security Made in Germany" spricht.

 

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