Ausbilder werden ist nicht schwer – oder doch?

Ausbilder werden ist nicht schwer – oder doch?

Wer als Betrieb ausbilden will, braucht nicht nur fähige Auszubildende, sondern natürlich auch Ausbilder –  nach dem Prinzip der dualen Ausbildung sollen nicht nur in der Berufsschule, sondern auch im Betrieb fachliche Inhalte vermittelt werden. Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, muss ein Ausbilder bestimmte Voraussetzungen erfüllen und eine entsprechende IHK-Prüfung ablegen. Mehr dazu erfahren Sie hier.

Also heißt es für mich erst mal wieder die Schulbank zu drücken und die Ausbildung der Ausbilder (AdA) bei der IHK zu absolvieren. Allerdings muss ich zuerst prüfen, ob ich die "persönliche Eignung" besitze. Und die besitzt jemand nicht, der z. B. gegen das Betäubungsmittelgesetz verstoßen hat oder eine mindestens zweijährige Haftstrafe verbüßen musste. Beim Umgang mit Jugendlichen und jungen Menschen sollte es natürlich selbstverständlich sein, dass man hier nicht belastet ist. Nachdem bei mir hier alles in Ordnung ist, kann es endlich in den Unterricht gehen.

In zehn Tagen zum Ausbilder

Am Montag finde ich mich mit 15 anderen Ausbilderaspiranten bei der IHK München ein und stelle fest, dass sich ein buntes Trüppchen versammelt hat: Vom metallverarbeitenden Großbetrieb über die Gastronomie bis zur Rechtsanwaltskanzlei reicht das Spektrum. Und auch der Lehrplan liest sich sehr abwechslungsreich: Über rechtliche Grundlagen bei der Beschäftigung Minderjähriger bis hin zu Lehrmethoden oder gruppendynamische Prozesse wird hier eine spannende Mischung geboten.

Der Dozent, Herr K., stellt sich als lebhafter Alleinunterhalter heraus, der ganz ohne Folienschlachten und mit vielen Gruppenübungen die Inhalte sehr praxisnah vermittelt. Wir erarbeiten viele Inhalte selbst, durch wechselnde Gruppenzusammensetzung bekomme ich viele Einblicke in die anderen Betriebsstrukturen und deren Abläufe. In einem Rollenspiel führe ich ein Bewertungsgespräch mit einem aufsässigen Azubi, den natürlich der Dozent darstellt. Gar nicht so einfach, sich gegen so eine rotzfreche Art durchzusetzen!

In der zehntägigen Ausbildung erfahre ich alles über die rechtlichen Voraussetzungen bei der Einstellung eines Auszubildenden, Möglichkeiten zur Verkürzung der Ausbildung und auch, was bei Minderjährigen zu beachten ist. Besonderer Wert wird aber auf die "Soft Skills" gelegt – dazu gehört der Umgang mit Konflikten genauso wie Lehrmethoden oder Führungsstile. Ich erfahre, welche Beurteilungsfehler gern gemacht werden: Haben Sie z. B. schon etwas vom "Nikolauseffekt" gehört? Sie kennen ihn auf jeden Fall aus Ihrer Kindheit! In den Tagen kurz bevor der Nikolaus kommt, werden Kinder zum Paradebeispiel einer gelungenen Erziehung. Sie wollen ja den Nikolaus nicht verärgern und sich die Geschenke sichern. Dieses Verhalten erlebt man auch ab und zu im Berufsleben. Arbeitnehmer arbeiten in den Wochen vor einer Beurteilung oder einem Mitarbeitergespräch noch mehr und akkurater als sonst – damit der Vorgesetzte hoffentlich für die Beurteilung vor allem diese lobenswerten Anstrengungen im Fokus hat.

Mitarbeiter von genua im SeverraumAm besten werden Auszubildende durch anspruchsvolle Projekte und Aufgaben motiviert, die sie eigenverantwortlich bearbeiten dürfen

Ein weiteres sehr wichtiges Thema in der Ausbildung zum Ausbilder sind die Methoden, mit denen wir die Azubis am besten motivieren können. Erstaunlicherweise sind die besten langfristigen Motivationsgründe nicht etwa finanzielle Anreize, sondern Verantwortung und selbstständige Projekte. Da machen wir bei unseren Azubis also schon alles richtig, da sie von Anfang an Projekte bekommen, die sie eigenverantwortlich lösen. Beispiele dazu sind die Azubi-Firma genufix oder auch die eigenständige Entwicklung eines Fernwartungsdemonstrators – zu beiden können Sie auch hier im genublog mehr erfahren!

Zeit für die Prüfung

Die zehn Tage waren schnell vorbei – nun muss die Prüfung abgelegt werden: Im Paulaner Keller – leider waren alle Bierfässer vorher entfernt worden – findet mit ca. 80 anderen zukünftigen Ausbildern die schriftliche Prüfung statt. Die ist übrigens ganz ohne Vorbereitung nicht zu schaffen – ein paar Stunden Lernen musste ich schon investieren.
Und zwei Woche später heißt es zur mündlichen Prüfung anzutreten, die aus einem praktischen Teil und einem Frageteil vor drei IHK-Prüfern besteht. Die erste Prüfung seit etlichen Jahren – ich kann mich gut in die Azubis einfühlen, die ja ebenfalls zu einer mündlichen Prüfung antreten müssen, denn auch mich plagt eine gewisse Prüfungsnervosität! Aber – Ende gut, alles gut: Ich kann die Prüfung beschwingt mit einem nagelneuen Ausbilderzertifikat verlassen!

Mein persönliches Fazit

Ich konnte nicht nur viel mitnehmen für meine künftige Tätigkeit als Ausbilder bei genua, sondern auch für meine alltägliche Arbeit. Die Praxisnähe der Ausbildung – gerade im Bereich Soft Skills – und die vielen Tipps werden mir in Zukunft bestimmt auch beim Umgang mit Kollegen hilfreich sein. Und jetzt freue ich mich auf meine neue Arbeit als Ausbilder für unsere technischen Azubis!

Lesen Sie auch: Von der Azubine zur Ausbilderin


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