Azubi im Jetlag

Azubi im Jetlag

Was passiert wohl, wenn man einen Marketing-Azubi aus der Firma genua für einen Monat in eine Werbeagentur steckt? Wie groß ist der Unterschied zwischen Werbetreibendem und Werbemittler? Ein interessantes Experiment, dem ich mich in einem vierwöchigen Praktikum bei der Münchener Agentur pt21 GmbH – zu der Zeit noch als DESEO GmbH bekannt – gestellt habe.

Von einem richtigen "Jetlag" kann man zwar nicht reden, aber dennoch ist es für mich als Azubi für Marketingkommunikation, der normalerweise um 8 Uhr seine Arbeit beginnt, ganz schön ungewohnt erst um 9:30 Uhr in der Agentur aufzutauchen. Aber eigentlich kann ich mich auch nicht beschweren, endlich mal später aufzustehen und abends noch länger etwas zu unternehmen.

So kam ich also Montag um halb zehn leicht gestresst vom verpassten Bus in der Münchner Auenstraße an. Mir wurden alle Leute vorgestellt, mein Arbeitsplatz gezeigt und schon ging's Punkt 10:00 Uhr ins Meeting. Dass pt21 eine Kommunikations-Agentur mit Schwerpunkt auf Corporate Design und Corporate Communication ist, wusste ich bereits. Denn genua beauftragte sie vergangenes Jahr damit, ein neues Firmenlogo zu entwickeln und dieses Projekt fand einen sehr guten Abschluss. Außerdem ist die Agentur auch eine gute Adresse, wenn es um Lichtinszenierung und -gestaltung bei Messen, Ausstellungen oder Gebäuden geht.

Zurück zum Meeting: In diesem werden immer die Projekte der letzten Woche besprochen – für mich wurde es aber etwas ausgeweitet, um mir einen Überblick über alle offenen Projekte zu geben. Dachte ich noch am Anfang, dass ich nie mit allen etwas zu tun haben werde, so kann ich jetzt behaupten: Ich habe von allen Projekten, die erwähnt wurden und an die ich mich erinnern kann :-D, etwas mitbekommen.

Was habe ich nun konkret gemacht bei pt21?

Als Erstes durfte ich mich mit einem Thema befassen, von dem ich nicht erwartet hätte, dass es mir außer in der Berufsschule so schnell wieder begegnet: Mediadaten. Dazu zählen Informationen zu Reichweite und Auflage von Printmedien, aber auch solche, die Auskunft über Seitenaufrufe und Nutzerprofile einer Webseite geben. So durfte ich aus vorhandenen Daten der Webseite eines Kunden z. B. die Altersgruppen und die Zugriffszahlen visualisieren. Dieser Kunde beschäftigte mich auch noch den Rest der Woche: Da er eine bisher kostenlose Lernplattform für Jugendliche aus eigener Tasche finanziell nicht weiter stemmen kann, recherchierte ich nach potenziellen Werbepartnern sowie Jugendmarketing-Agenturen.

Projekt-MaskottchenDas Maskottchen meines Projektes: Der "Machweg-Poffel"

Mein eigenes Projekt: machwegpoffel.de

Nachdem ich im Prinzip wie ein echter Agentur-Mitarbeiter behandelt wurde, durfte ich über die vier Wochen hinweg auch ein eigenes Projekt betreuen: machwegpoffel.de.
Was das sein soll? Kurz gesagt eine simple Idee, um das Leben zu erleichtern – digitale Problementsorgung. Denn hier kann man sich das schlechte Wetter, den nervigen Chef, Verspätungen der öffentlichen Verkehrsmittel usw. von der Seele schreiben – und das anonym. Anschließend können andere Besucher von machwegpoffel.de die Beiträge kommentieren oder dem Autor ihre Sympathie durch "Likes" zeigen. Eine befreiende Sache, bei der man auch merkt, wenn man nicht der Einzige mit einem bestimmten Ärgernis ist.

So war ich für das Social Media-Marketing zuständig und durfte einen Plan zur Vermarktung aufstellen. Ich erstellte Posts auf Facebook und griff Themen wie zum Beispiel den nervigen Dauerregen oder die politischen Unruhen rund um Erdogan auf. Außerdem zog ich in der letzten Woche auch mit einem Kollegen durch die Münchner Innenstadt, um die Bekanntheit des Poffels zu vergrößern: Wir interviewten Leute und präsentierten unseren Poffel – einen umfunktionierten Sitzsack. Diese Gelegenheit nutzten wir auch gleich, um Videos für die Facebook-Seite von machwegpoffel.de zu drehen.

Bei anderen Projekten durfte ich Texte für Anschreiben an Kunden, Interessenten oder Partner sowie Webseiteninhalt verfassen, Konzepte überarbeiten und zu allem "meinen Senf dazugeben".

Sowohl pt21 als auch genua profitieren von meinem Praktikum

Warum ich eigentlich während meiner Ausbildung zum Kaufmann für Marketingkommunikation ein Praktikum gemacht habe? Wer sich für diesen Berufszweig interessiert, weiß bestimmt, wie groß der Unterschied zwischen "Marketing in einem Unternehmen" und "Agenturarbeit" ist: Agenturen werden von Unternehmen beauftragt, ein Konzept zu erstellen und sich um das ganze "Drumherum" zu kümmern. Das bedeutet, dass sich Agentur-Mitarbeiter immer wieder auf unterschiedlichen Kunden und deren Zielgruppen, Anforderungen und Wünschen einstellen und neue Ideen entwickeln.

Partnertag bei genuaIm B2B-Bereich ist vor allem der direkte Dialog zu Kunden und Partnern wichtig – daher setzt genua verstärkt auf Events

Ein Unternehmen versucht hingegen, sich selbst zu präsentieren und den Absatz zu fördern – und wenn man mal was ganz Neues ausprobieren will, wendet man sich eben meistens an eine Agentur. Da die Berufsschule noch sehr "agenturlastig" ist, wurde mir auch einiges beigebracht, was ich bei genua nicht in der Praxis anwenden kann: Dazu gehört beispielsweise die Bestimmung neuer Zielgruppen, da diese bei genua bereits definiert sind und sich im Kundenstamm gut widerspiegeln.

Außerdem ist genua im Business-to-Business-Bereich (B2B) unterwegs. Das heißt, die Marketing-Aktivitäten richten sich an Firmen und Behörden und nicht an private Konsumenten. Deshalb sind unsere Kommunikations-Maßnahmen auch etwas konservativer und nicht so "bunt" wie im Business-to-Consumer-Bereich – bei uns funktionieren so Sachen wie TV-Spots, Plakatwerbung u. ä. nicht. Wir setzen dagegen auf Public Relations und direkten Dialog, z. B. durch Events und Messeauftritte.

Um diese Lücken zu schließen, ermöglichte mir mein Ausbilder den Besuch anderer Betriebe und Agenturen. Ich war zum Beispiel auch schon in einer Druckerei, um verschiedene Druckverfahren hautnah kennenzulernen.

genua wiederum profitiert davon, dass ich Neues kennenlerne, was auch für uns interessant sein kann: seien es interessante Ansätze zur Vermarktung oder aber die Betrachtungsweise aus dem Blickwinkel einer Agentur. Denn im Marketing sind neue Ideen immer wichtig.

Und mein bei genua erworbenes IT-Sicherheitswissen war bei pt21 gefragt. So hielt ich eine kleine Sicherheitsschulung für die Mitarbeiter und klärte sie über sichere Passwörter, IP-Adressen, Anonymität im Netz usw. auf.

Mein Fazit

Alles in allem lässt sich somit sagen, dass das Praktikum eine gelungene Aktion war und ich viel Theoretisches aus der Berufsschule umsetzen konnte. Außer zahlreicher Probleme im öffentlichen Nahverkehr, lässt sich nur Positives berichten ;-).

Mittlerweile bin ich übrigens mit meiner Ausbildung fertig und unterstütze die Gruppe Product Care bei der Erstellung von Handbüchern für unsere Produkte. Im Herbst werde ich ein Studium zum Tontechniker beginnen.

Lesen Sie auch: Azubis bieten kostenfreie Hilfe bei PC-Problemen

 

Bildquelle: © pt21GmbH


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