Breitbandausbau – quo vadis?

Breitbandausbau – quo vadis?

Egal welche Veröffentlichung zur Digitalisierung man aufschlägt, in einigen Punkten sind sich alle einig: Informationstechnologie hat unser tägliches Leben und Arbeiten durchdrungen und ist aus kaum einem Lebensbereich mehr wegzudenken. Gleichzeitig schreitet die Vernetzung immer weiter voran, egal ob nun zwischen Industrieanlagen, Automobilen oder sogar im Gesundheitswesen. Ein wettbewerbsfähiges Wirtschaften ist kaum noch möglich ohne die Nutzung der Effizienzgewinne, die durch moderne Informationstechnologien entstehen.

Die Grundlage für all dies sind leistungsfähige Netzinfrastrukturen, die in Deutschland gerade außerhalb von Ballungsräumen oft noch fehlen. Die Bundesregierung hat die Forderung vieler Wirtschaftsverbände aufgegriffen und den Aufbau leistungsfähiger digitaler Infrastrukturen zu einem zentralen Punkt ihrer Digitalen Agenda gemacht: "Deutschland will eine Vorreiterrolle bei der Durchdringung und Nutzung digitaler Dienste einnehmen. […] Deshalb braucht das Land flächendeckend Hochgeschwindigkeitsnetze. Das Ziel der Bundesregierung ist es, dass mittels eines effizienten Technologiemix eine flächendeckende Breitbandinfrastruktur mit einer Downloadgeschwindigkeit von mind. 50 Mbit/s bis 2018 entsteht."

Deutschland im internationalen Vergleich

Auch wenn sich eine solche flächendeckende Zielsetzung zunächst einmal gut anhört, ist eine Bewertung nur im Vergleich möglich: Wo steht Deutschland im Hinblick auf die europäischen Nachbarn und international? Das Ziel von mindestens 50 Mbit/s bis 2018 scheint mit Blick auf internationale Zahlen bereits jetzt veraltet. So hat sich die Europäische Kommission bereits 2013 eine Abdeckung von 50 % aller Haushalte mit 100 Mbit/s bis 2020 zum Ziel gesetzt – dies ist allerdings ebenfalls sportlich, wenn man bedenkt, dass es 2013 erst 3 % aller Haushalte in der EU waren. Aber zumindest wurde hier das Ziel schon einmal höher angesetzt. Auch gehen viele Unternehmen (z. B. in der hochindustrialisierten Region um Karlsruhe davon aus, dass sie bis 2018 mehr als 50 Mbit/s benötigen werden).

Und wie sieht es mit dem Ist-Zustand im internationalen Vergleich aus? Auf europäischer Ebene kann Deutschland in vielen Bereichen noch den Anschluss zur Spitzengruppe halten, so zumindest die Situation in 2013. Zu den Basis-Breitbandanschlüssen (die oftmals nicht einmal mehr für HD-Streaming oder Videokonferenzen ausreichen) hatten immerhin noch 34 Prozent der Bevölkerung Zugang – Platz 4 hinter Dänemark, den Niederlanden und Frankreich.

Düsterer wird das Bild bei den höheren Geschwindigkeiten: Bei schnellem Breitband (nach EU-Definition mindestens 30 Mbit/s) lag Deutschland 2013 unter EU-Durchschnitt, bei ultra-schnellem Breitband (mind. 100 Mbit/s) sogar mit einigem Abstand. Im internationalen Vergleich bietet sich ein Abgleich mit den größten Industrienationen an. Hier bietet eine Studie des internationalen Cloud-Anbieters Akamai von 2014 Einblicke. Die Durchschnittsgeschwindigkeit des deutschen Festnetzinternets liegt bei lediglich 8,7 Mbit und damit im hinteren Drittel, während die Spitze von Südkorea, Hong Kong und Japan dominiert wird. Gleiches gilt für die Kategorie der durchschnittlichen Spitzengeschwindigkeit und im Vergleich des Wachstums der Spitzengeschwindigkeit in Jahresfrist. Auch der Blick auf mobile Breitbandzugänge lässt Deutschland nicht besser dastehen.

Dauerhaft im digitalen Hintertreffen?

Zusammengefasst ergibt sich also folgendes Bild im Hinblick auf schnelles Internet: Deutschland befindet sich in einer nicht gerade vorteilhaften Ausgangssituation, die verbunden ist mit mittelmäßigem Wachstum und bereits zum jetzigen Zeitpunkt eher niedrigen Zielen. Kann das der Anspruch eines Exportweltmeisters und Wachstumsmotors der Europäischen Union sein? Kann so die vielzitierte "vierte Industrielle Revolution" aus Deutschland vorangetrieben werden?

Veranschaulichung des Breitbandausbaus im SchneckentempoBreitbandausbau im Schneckentempo: Vor allem für Unternehmen im ländlichen Raum bedeutet dies einen Wettbewerbsnachteil

Vorsicht – Wettbewerbsnachteil

Für die Unternehmen in Deutschland, vor allem aber für die kleinen und mittelständischen Unternehmen, die nicht durch die Telekommunikationsanbieter priorisiert werden, hat diese Mittelmäßigkeit zwei schwerwiegende Hauptfolgen: Da sie meist ohnehin eher im ländlichen Raum liegen, werden sie von leistungsfähigen Infrastrukturen oft abgeschnitten. Zweitens fällt es ihnen schwerer, die ohnehin schon hart umkämpften Fachkräfte ins digitale Niemandsland zu locken – ein Teufelskreis, der die Wettbewerbsfähigkeit des Rückgrats der deutschen Wirtschaft bereits mittelfristig nachhaltig senken wird.

Was ist zu tun?

Deutschland wird also mehr als bisher tun und Initiativen wie die Netzallianz mit Leben füllen müssen. Sofort Machbares muss identifiziert und auch sofort gemacht werden, der Ausbau technologieoffen und möglichst zukunftssicher vorangetrieben werden. Dabei ist das Setzen auf bereits absehbar veraltete Technologien sicherlich der falsche Weg.

Gleichzeitig dürfen Quasi-Monopole nicht dazu genutzt werden, diese alten Technologien zu zementieren, damit bereits getätigte Investitionen zu entwerten und vielversprechende Ausbauansätze über moderne Kabelnetze abzuwürgen. Außerdem muss der Staat stärker als bisher dort unterstützen, wo Marktmechanismen einen Ausbau verhindern, ebenso wie es bei anderen wichtigen Infrastrukturen von gesamtstaatlicher Bedeutung, beispielsweise im Straßenbau, bereits der Fall war und ist.

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Bildquellen: © hainichfoto, lassedesignen, Gina Sanders - Fotolia.com


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