Einblick und Ausblick: Beteiligung der Bundesdruckerei an genua

Einblick und Ausblick: Beteiligung der Bundesdruckerei an genua

Anfang August vergangenen Jahres ging ein Raunen durch die deutsche IT-Landschaft: Die Bundesdruckerei hatte die Mehrheit an genua erworben. Wie kam es zu dieser für viele überraschenden Beteiligung? Und welche neuen Impulse können von der Zusammenarbeit der beiden Unternehmen erwartet werden? Antworten dazu liefert Ulrich Hamann, Vorsitzender der Geschäftsführung (CEO) der Bundesdruckerei GmbH.

Herr Hamann, als die Meldung zur Mehrheitsbeteiligung der Bundesdruckerei an genua letzten Sommer über die Ticker lief, waren einige Branchenkenner doch überrascht. Erzählen Sie uns etwas über die Vorgeschichte der Akquisition: Wie kamen Sie und die Inhaber von genua geschäftlich zusammen? Und wie lange mussten Sie über die Beteiligung nachdenken?

Ulrich Hamann: genua ist seit vielen Jahren ein Hidden Champion der deutschen IT-Hochsicherheitslandschaft, einer der innovativsten deutschen IT-Sicherheitsanbieter. Entsprechend lange kennen wir uns schon. Schon vor einigen Jahren habe ich – damals halb im Ernst, halb im Spaß – zu Herrn Dr. Harlander gesagt: Sollte er irgendwann einmal sein Unternehmen verkaufen wollen, so wäre es schön, wenn er auch an uns denkt. Als die Gründer dann tatsächlich auf uns zukamen, waren wir überrascht, stolz und haben schnell "Ja" gesagt. Die Philosophien von genua und BDr ähneln sich: Beide legen größten Wert auf hochsichere IT "made in Germany" – es geht um Qualität und Innovation.

genua hat seit der Gründung die wirtschaftlichen Ziele des Unternehmens solide und nachhaltig verfolgt. Kunden erhalten IT-Sicherheitslösungen aus eigener Forschung und Entwicklung, die anerkannte externe Qualitätsprüfungen durchlaufen. Aufwändige Projekte werden mit großem Engagement verfolgt, um hohen Sicherheitsanforderungen und oft auch individuellen Kundenwünschen gerecht zu werden. Inwieweit passt ein wie genua gestricktes IT-Sicherheitsunternehmen zur Strategie und zum Beteiligungsportfolio der Bundesdruckerei?

Ulrich Hamann, CEO der Bundesdruckerei: "genua-Lösungen runden das Angebot der Bundesdruckerei perfekt ab."

Ulrich Hamann: Die Tätigkeiten, die Sie gerade für genua beschreiben, treffen genauso auf die Bundesdruckerei zu: IT-Sicherheitslösungen aus eigener Forschung und Entwicklung, externe Qualitätsprüfungen, hoher Sicherheitsanspruch, individuelle Kundenwünsche. Hier ticken wir sehr ähnlich. Nur sind unsere Projekte in der Regel etwas größer, etwa die Einführung des elektronischen Personalausweises oder aktuell des Ankunftsnachweises für Flüchtlinge. Gleichzeitig gibt es im Portfolio so gut wie keine Überschneidungen. Im Gegenteil: genua-Lösungen runden das Angebot der Bundesdruckerei perfekt ab, etwa bei Industrie-4.0-Lösungen für den Maschinenbau. Die BDr kann sich so noch besser als Anbieter ganzheitlicher und kompletter IT-Sicherheitslösungen für Behörden und mittelständische Unternehmen positionieren.

Mit welchen Schritten nähern sich die zwei in vielerlei Hinsicht unterschiedlichen Organisationen der Bundesdruckerei und der genua gmbh einander an? Und in welchen Bereichen bewusst nicht, um in diesen weiterhin unabhängig voneinander die individuellen Stärken auszuspielen?

Ulrich Hamann: Die Portfolios müssen natürlich verzahnt werden, damit Lösungen integriert und gemeinsam vermarktet werden können. Entsprechend gehörte zu den ersten Maßnahmen ein Jobtausch von Mitarbeitern im Marketing und der Entwicklung. Weitere Vorteile liegen für genua in der Vertriebsstärke der Bundesdruckerei – im hoheitlichen Bereich, aber auch in der Industrie und international.

Die Unternehmenskulturen sind natürlich verschieden, auch bedingt durch Größe und Alter der Bundesdruckerei. Die Gründermentalität der genua samt entsprechend schlanker Organisation wollen wir natürlich möglichst beibehalten und von ihr profitieren – ähnlich wie bei anderen Töchtern, etwa Maurer in Hannover. Die genua-Standorte bleiben alle erhalten. Der Berliner Standort wird voraussichtlich größer und sehr wahrscheinlich auf das Gelände der Bundesdruckerei ziehen.

Wer dieses Jahr aufmerksam die CeBIT beobachtete, konnte erste Kooperationsansätze zwischen der Bundesdruckerei und genua bemerken. So waren "kombinierte Lösungen" auf den Ständen von genua und  der Bundesdruckerei zu sehen, wie z. B. Industrieanlagen-Monitoring und Fernwartung. Nennen Sie doch bitte wichtige Beispiele, bei denen Produkte von genua Lösungen der Bundesdruckerei passgenau ergänzen. Mit welchen Stärken kann genua Ihrer Meinung nach punkten?

Die Bundesdruckerei und genua auf der CeBIT 2016: Roboter ANNA veranschaulichte das Thema Industrial Security

Ulrich Hamann: Unser Roboter ANNA war als Sinnbild für die sichere Fernwartung für die meisten Besucher das Highlight unseres Messestands. Modernste Technik hält Einzug in viele Unternehmen, ist aber nur mit zuverlässigen Lösungen für die Fernwartung wirtschaftlich und sicher zu betreiben. Unser ganzheitliches Angebot zum sicheren Fernzugriff und dem Remote-Monitoring von Industrieanlagen wird erst durch die gemeinsame Kompetenz beider Unternehmen möglich: genua liefert die sicheren Netzkomponenten, die Bundesdruckerei stellt die sicheren Authentifizierungsverfahren, um Zugriffe zu beschränken – eine perfekte Ergänzung.

Blicken wir abschließend in die Zukunft: Die gesamte Arbeitswelt ist gerade im Wandel, die Medien sprechen von der "vierten industriellen Revolution". Welche großen Herausforderungen der Digitalisierung sehen Sie persönlich auf die Unternehmen in den nächsten fünf Jahren zukommen? Welche wichtigen Lösungen kann die Bundesdruckerei zusammen mit genua zu diesem Transformationsprozess anbieten?

Ulrich Hamann: Branche für Branche wird digitalisiert. Wieso sollte die Digitalisierung vor irgendeiner Branche stehen bleiben? Also: Ob Unternehmen und Behörden wollen oder nicht, sie müssen sich auf den Weg machen und digitalisieren. Wir selbst haben uns gewandelt vom traditionsreichen und spezialisierten Druckunternehmen für Pässe, Ausweise, Banknoten und Briefmarken zum Anbieter kompletter Sicherheitslösungen für die analoge und digitale Welt.

Wer die Chancen des digitalen Wandels nutzen will, braucht nachhaltigen Schutz für seine Unternehmenswerte – und somit für alle Daten, Infrastrukturen und Kommunikationswege. Wir haben aktuell eine repräsentative Umfrage unter den Sicherheitsverantwortlichen in mittelständischen Unternehmen hierzulande durchführen lassen. Ein Ergebnis lautete: Rund zwei Drittel der Befragten gehen davon aus, dass im Zuge der Digitalisierung ihre IT-Sicherheitsrisiken zunehmen werden. IT-Sicherheit ist aber letztlich nur auf Basis Sicherer Identitäten umzusetzen: Die beteiligten Personen, Produkte, Maschinen und Materialien müssen tatsächlich diejenigen sein, für die sie sich ausgeben. Genau dafür stehen wir als Bundesdruckerei. Ich sehe also große Chancen für unsere Unternehmensgruppe.

Vielen Dank für Ihre Antworten!

 

Bildquelle: Bundesdruckerei GmbH


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