Erste Hilfe bis der Arzt kommt

Erste Hilfe bis der Arzt kommt

Keine Reaktion, keine Atmung – jetzt muss es schnell gehen. Die Ersthelfer bei genua werden alle zwei Jahre erneut geschult, damit sie in kritischen Situationen mit den richtigen Handgriffen Leben retten können.

Prüfen, rufen, drücken –
Comedian Kaya Yanar weiß, wie's funktioniert

30 Mal mit übereinandergelegten Händen kurz und kräftig auf das Brustbein drücken, dann zwei Mal über Mund oder Nase beatmen, anschließend wieder 30 Mal drücken, zwei mal beatmen, drücken, beatmen... Dies wird schon nach kurzer Zeit anstrengend, muss aber unbedingt durchgehalten werden. Denn wenn die Atmung und damit der Kreislauf still stehen, besteht akute Lebensgefahr! Schon nach drei Minuten kommt es im Gehirn – dem Hauptabnehmer für Sauerstoff im menschlichen Körper – zu irreversiblen Schäden, kurze Zeit später tritt der Tod ein. Mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung wird eine geringfügige Sauerstoffversorgung des Gehirns erreicht und damit der Eintritt schwerwiegender Folgen hinausgezögert. So soll die Zeit bis zum Eintreffen des Notarztes überbrückt werden – schnelles, beherztes Eingreifen kann somit Leben retten.

In unserem Fall kommt kein Rettungswagen: Um den bemühten Helfer stehen einige Kollegen drumherum, das vermeintliche Opfer ist ein Puppen-Torso aus Kunststoff und im Hintergrund läuft Stayin' Alive von den Bee Gees. Wir sind mitten drin in einer Übung im Ersthelfer-Auffrischungskurs bei genua. Und die anhaltende Untermalung mit dem Disco-Song ist keine Schikane des Kursleiters vom Bayerischen Roten Kreuz, sondern eine nützliche Hilfestellung: Stayin' Alive mit 100 Beats pro Minute gibt den richtigen Rhythmus für die Herzmassage vor. Alle Kursteilnehmer traktieren in diesem Takt die Kunststoffpuppen, um die Reanimation zu üben.

Gut vorbereitet – aber zum Glück nicht viel zu tun

Unternehmen müssen je nach Größe eine bestimmte Anzahl an Mitarbeitern zu Ersthelfern ausbilden. Sie sollen Kollegen in Notfällen Erste Hilfe leisten, bis ein Arzt oder Rettungsteam eintrifft. Auch wenn die Unfallrisiken in Werkshallen natürlich höher sind als in den Büros einer IT-Firma, können Verletzungen oder auch akute Erkrankungen natürlich auch bei genua auftreten. Glücklicherweise hatten wir in den vergangenen Jahren keine schwerwiegenden Vorfälle. Dennoch gilt es gut vorbereitet zu sein, sollte ein Kollege mal dringend Hilfe brauchen. Deshalb durchlaufen die Ersthelfer bei genua alle zwei Jahre einen eintägigen Kurs, in dem die Theorie und vor allem auch praktischen Handgriffe der Ersten Hilfe aufgefrischt werden.

In dem Kurs geht es um die Rettungskette vom Eigenschutz des Helfers bis hin zur Einlieferung des Patienten ins Krankenhaus, um Druckverbände und das Erkennen von Schlaganfällen. Noch wichtiger aber ist, dass den Ersthelfern als medizinischen Laien vermittelt wird: Trau Dich zu helfen! Denn wenn jemand in einer lebensbedrohlichen Situation ist, wäre es der größte Fehler, nichts zu tun, wegzuschauen. Wer hier hilft, kann nichts schlimmer machen, aber er kann ein Leben retten. Deshalb hin und helfen – wenn der Eigenschutz gegeben ist. Dies ist die zweite wichtige Regel: Niemand muss sein eigenes Leben in Gefahr bringen, um andere zu retten.

Auf Theorie folgt die Praxis: Druckverbände werden direkt am nächsten Kollegen geübt

Einfache Handgriffe sichern das Überleben

Eine lebensbedrohliche Situation ist die Bewusstlosigkeit bspw. nach einem Unfall. Deshalb wird dieses Thema in der Schulung mit ausführlicher Theorie und viel Praxis behandelt. Es gibt zwei Szenarien für den Umgang mit Bewusstlosen. Erstes Szenario: Die bewusstlose Person atmet. Um zu verhindern, dass die Zunge oder Erbrochenes die Atemwege blockieren, muss der Bewusstlose in die stabile Seitenlage gebracht werden: Bein anwinkeln, Hand unters Kinn legen, Körper auf die Seite drehen, Kopf überstrecken, Mund öffnen – fertig. Entscheidend an dieser Lagerung ist, dass der Kopf tiefer liegt als der Körper. Mit einfachen Handgriffen ist somit das Überleben des Bewusstlosen bis zum Eintreffen des Notarztes gesichert. Zweites Szenario: Es wird keine Atmung festgestellt. Jetzt ist unverzüglich mit der anfangs beschriebenen Herz-Lungen-Wiederbelebung zu beginnen und bis zum Eintreffen des Notarztes fortzuführen.

Für die Wiederbelebung im zweiten Szenario ist ein Defibrillator, kurz AED oder Defi genannt, eine große Hilfe. Diese Geräte sind heute an vielen Orten wie Einkaufszentren, U-Bahn-Stationen oder Flughäfen verfügbar, auch bei genua liegt einer griffbereit in der Aula. Deshalb wurde auch in unserer Schulung mit dem Defi geübt. Der große Vorteil: Das Gerät muss nur angeschaltet werden und gibt dann exakte Anweisungen, was bei der Reanimation zu tun ist: "Oberkörper freimachen", "Kontakte aufkleben", "30 Mal Herzmassage", "zwei Mal beatmen" usw. Das Gerät misst darüber hinaus die Herzfrequenz und kann einen Schock auslösen, um einen Neustart im richtigen Takt zu bewirken. Für die Herzmassage gibt der Defi von genua zudem mit einem akustischen Signal den Rhythmus vor – man muss also nicht mehr Stayin' Alive im Ohr haben. Somit können Ersthelfer in hektischen Situationen wirklich nichts falsch machen, sondern Leben retten.

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