Im Trend: IT-Forschung bei genua

Im Trend: IT-Forschung bei genua

Deutschlands Unternehmen haben 2015 so viel für Forschung und Entwicklung ausgegeben wie nie zuvor. Laut einer nun veröffentlichten Erhebung des Stifterverbands beläuft sich die Summe auf rund 62,4 Milliarden Euro – im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Anstieg um rund 9,5 Prozent. Ob genua hier im Trend liegt, wollen wir von Alexander von Gernler, Leiter der Forschung, wissen.

Alexander, es sieht so aus, als würde in Deutschland Forschung mehr und mehr als Wettbewerbsvorteil erkannt und entsprechend vorangetrieben. Kannst Du diesen Trend auch in der IT-Sicherheitsbranche erkennen?

Alexander von Gernler: In der privaten Wirtschaft ist es zum einen so, dass sich IT-Sicherheitsfirmen im Bereich Pentesting oder Security Consulting weiterhin über volle Auftragsbücher freuen können. Teile dieser Tätigkeiten bestehen in angewandter Forschung, etwa der systematischen Suche nach Schwachstellen. Diese Forschung wird also durch Nachfrage am Markt generiert.

Zum anderen hat auch das Bundesministerium für Bildung und Forschung in den Jahren 2015 und 2016 mehrere Ausschreibungen aus seinem 180 Millionen Euro schweren Programm zur Hightech-Strategie veröffentlicht, was zu einem weiterhin hohen Zufluss an Mitteln in die Forschung für Firmen der Privatwirtschaft und zu Universitäten führt.

Im öffentlichen Sektor, also da wo Polizeibehörden, Militär und Geheimdienste zu Hause sind, wurde eine Stärkung bei Erkennung und Abwehr von IT-basierten Angriffen – gerne  verdichtet zu "Cyber" – verordnet. Dies ist in vielen westlichen Ländern passiert, und Deutschland macht hier keine Ausnahme. So wurde beispielsweise vom Innenministerium der Personalaufbau bei den Nachrichtendiensten oder durch Frau von der Leyen der Aufbau einer eigenen „Cyber“-Einheit bei der Bundeswehr vorangetrieben. Man kann davon ausgehen, dass einige der dort eingesetzten Mittel nicht nur operativ, also für konkrete Aufgaben, sondern auch angewandt-forschend verwendet werden. Überall, wo die eigenen Leute nicht ausreichen, werden hier sicher auch Aufträge, auch in Form von Auftragsforschung, vergeben werden.

Welchen Stellenwert hat Forschung bei genua?

Alexander von Gernler: Die Forschung ist eine eigene Gruppe innerhalb der Firma. Forschung geschieht bei genua also nicht nur nebenbei wenn gerade Zeit ist, sondern es arbeiten kontinuierlich etwa zehn Mitarbeiter in Vollzeit an den Themen. In unserer Gruppe werden derzeit acht Forschungsprojekte bearbeitet. Wir berichten über den Status unserer Forschung direkt an das Leitungsgremium von genua. Unsere Ergebnisse versuchen wir direkt in Absprache mit den Produktverantwortlichen sowie mit dem strategischen Produktmarketing in die Produkte einfließen zu lassen. Bei meinen Aktivitäten außerhalb von genua, etwa auf Konferenzen, Forschungstreffen oder im Wirtschaftsbeirat der Gesellschaft für Informatik treffe ich oft Mitarbeiter anderer Firmen, die bei diesen Fakten staunen: Immerhin haben wir ja "nur" um die 230 Mitarbeiter. Dafür ist das schon ordentlich.

Konntest Du in den letzten Jahren ein zunehmendes Budget für Deinen Bereich feststellen? Wie verhalten sich die Forschungsausgaben im Verhältnis zum Wachstum von genua?

Alexander von Gernler: Wir haben in den letzten fünf Jahren die Forschung bei genua schrittweise von Null aus hochgefahren. Was wir dabei stets festgestellt haben war ein großes Vertrauen der Geschäftsleitung, das es uns nicht nur ermöglicht hat, zu Spitzenzeiten auch mal zehn Forschungsprojekte gleichzeitig laufen zu lassen, sondern auch an scheinbar ausgefallenen und a priori exotisch wirkenden Themen wie Post-Quanten-Kryptographie arbeiten zu können.

Dass solche Themen dann hinterher voll einschlagen, und genua jetzt bald Mitautor eines offiziellen Internet-RFC zu dem Thema ist, kann ich der Geschäftsleitung vorher ja auch nicht garantieren – das musste man mir erst mal glauben. Das alles war keinesfalls selbstverständlich, denn immerhin schafft ja jedes meiner Projekte mindestens eine Vollzeitstelle im Stellenplan der Firma, die zu mindestens 50 Prozent durch Eigenmittel getragen werden muss.

Oft beteiligt sich genua an Forschungsprojekten, bei denen mehrere Partner aus der Privatwirtschaft oder Hochschullandschaft gemeinsam neue Erkenntnisse erarbeiten. Nach welchen Kriterien wählt genua Projektbeteiligungen aus? Geht es immer um Themen, die sich schnell in vertriebliche Erfolge ummünzen lassen?

Alexander von Gernler: Wenn man länger im "Geschäft" ist, dann bildet man ein Netzwerk an Leuten, mit denen es angenehm ist zu arbeiten, weil man auf der gleichen Wellenlänge ist. Damit meine ich sowohl Lehrstuhlinhaber an Universitäten als auch Kontakte zu anderen Firmen, mit denen wir sehr gut kooperiert haben. So verlockend es aber auch ist, bei jedem neuen Vorhaben auf seine "alten Forschungskumpels" zurückzugreifen, so wichtig ist es trotzdem, zunächst vom Forschungsthema ausgehend wirklich die besten Kräfte deutschlandweit zu identifizieren, denn nur so kann ein Projekt auch Erfolg haben. Darüber hinaus sind mir kleine, schlagkräftige Konsortien viel lieber als große, unübersichtliche, weil da weniger Aufwand für die Koordination draufgeht und man sich viel schneller auf die eigentliche Sache konzentrieren kann.

Wegen der Frage nach der Themenwahl: Wir sind grundsätzlich sehr breit aufgestellt. So gibt es Themen wie die Abwehr gezielter Angriffe oder die Absicherung kritischer Infrastrukturen, die sehr schnell den Weg in unsere Produkte finden. Andere Themen, wie etwa das für uns neue Feld der FPGAs, also spezialisierter, programmierbarer Prozessoren, die etwa Netzwerkverkehr sehr viel schneller bearbeiten können, sind aus unserer Sicht Grundlagenforschung und dienen dazu, Wissen im Haus aufzubauen. Hier ist an eine direkte Verwertung nicht zu denken, aber wir eröffnen uns damit spannende Optionen für die nächsten zwei bis drei Jahre.

Wie schaffst Du es, Fachkräfte für den Forschungsbereich von genua zu gewinnen? Ist das als mittelständisches Unternehmen nicht eher schwierig im Umfeld attraktiver IT-Konzerne am Standort München?

Alexander von Gernler: In der Tat spüren wir wie viele Unternehmen in der Gegend, dass der Markt für qualifizierte Fachkräfte ziemlich leer gefegt ist. Das liegt zum einen an Internetgiganten wie Google, die in München auch eine eigene Niederlassung betreiben. Zum anderen haben auch die Autohersteller jetzt das Thema Autonomes Fahren voll im Fokus, und da haben wir ja auch einige größere Unternehmen im Einzugsbereich von München. In den nächsten Jahren sind bei den Herstellern Aufstockungen in der Forschung im vierstelligen Bereich geplant.

Mit auf der Agenda 2017: Wie gut lässt sich der Erfolg von Forschungsteams messen?

Was hier unsere Rettung ist, sind persönliche Kontakte auf allen Ebenen: Bei Forschungsprojekten arbeiten wir immer mit Universitäten zusammen. Da sitzen auf der anderen Seite auch Doktoranden, die sehr viel können, und die nach ihrer Promotion vielleicht auch bei uns eine Stelle in Erwägung ziehen. Meine Kontakte in verschiedenen Organisationen, etwa als Junior Fellow der Gesellschaft für Informatik, helfen hier auch. Und dann stellt uns das Thema Forschung natürlich auch als innovativen und daher attraktiven Arbeitgeber heraus.

Gibt uns doch bitte einen Ausblick auf das kommende Jahr: Welche Fragestellungen sind im Bereich Forschung für genua in 2017 von besonderer Bedeutung?

Alexander von Gernler: Nachdem wir in den vergangenen fünf Jahren vor allem gelernt haben, wie Forschungsprojekte an sich laufen, und uns ein großes Netzwerk an Kontakten aufgebaut haben, werden die Bemühungen im nächsten Jahr etwas mehr nach innen gerichtet sein: Wir werden die gesammelten Erfahrungen konsolidieren, und unsere Forschung insgesamt auf noch professionellere Beine stellen. Dazu gehört für mich vor allem die noch stärkere Vernetzung mit der Produktstrategie bei genua, sowie die Frage, wie wir als Forschungsgruppe selbst eigentlich messen können, wie erfolgreich unsere Arbeit ist. Gerade die Messbarkeit wird ein unglaublich spannendes Thema werden, da es hierzu auch kaum wissenschaftliche Arbeiten gibt.

Von den Inhalten für die nächsten Jahre werde ich mir dagegen gar keine Einschränkungen auferlegen: Alles, was im Zeitraum von zwei bis fünf Jahren ab heute für unsere Produkte irgendwie relevant werden könnte, werden wir aufgreifen und sondieren. Ob dann wirklich ein Projekt daraus wird, entscheidet ja nicht nur unsere Vorauswahl, sondern auch, ob wir die Führungsriege von genua überzeugen können, dass wir den richtigen Riecher haben.

Danke für das Gespräch!

 

Bildquelle: © Jakub Jirsák, Minerva Studio - Fotolia.com


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