Kryptorätsel Teil 1: Die Geheimschrift für Liebende

Kryptorätsel Teil 1: Die Geheimschrift für Liebende

Bereits 1910 schrieb der Dechiffreur Lothar Philipp im Vorwort von "Die Geheimschrift – Die sichersten Methoden für geheimen schriftlichen Verkehr", dass die Geheimschrift ein "unabweisbares Bedürfnis" für Regierungen, große Firmen, aber auch Privatleute ist – und insbesondere für Liebende. Neugierig geworden? Dann machen Sie jetzt mit beim ersten unserer zwei Krypoträtsel!

Heute, etwas mehr als 100 Jahre später, verschlüsseln WhatsApp & Co. für uns. Ende-zu-Ende und nach heutigem Stand der Technik auch sicher. So kann niemand mehr mitlesen, wie teuer eine Ware ist und auch nicht, was Hänschen seinem Lieschen schreibt. Um 1900, als es modern wurde, Postkarten zu schreiben, sah das noch ganz anders aus. Die postalischen Grüße konnte jeder lesen und da es noch keine unzähligen Postsendungen gab, ist davon auszugehen, dass auch alle mitgelesen haben. Der Beamte im Postamt, der Postbote und sicher auch alle im Hause des Empfängers – vom Hausmädchen bis zum Hausherrn. Neugierig war der Mensch schon immer. Wer die Serie "Downton Abbey" geschaut hat, weiß, wovon ich spreche.

Geheime Botschaften

Gerade wenn Hänschen dem Lieschen seine Zuneigung mitteilen wollte, musste das daher um alles in der Welt so geschehen, dass niemand etwas erfuhr. Postkarten waren am Anfang des 20. Jahrhunderts so etwas wie heute WhatsApp. Die Post lieferte zwei Mal am Tag aus, was – eine örtliche Nähe vorausgesetzt – sogar eine Art direkten Dialog erlaubte. Nur mit der Geheimhaltung sah es schlecht aus. Da mussten Hänschen und Lieschen selbst aktiv werden. Nur wie?

Gute Zeiten für verbotene Liebe – dank Crashkurs in Kryptografie

Lothar Philipp schreibt etwas verkorkst in seinem Vorwort, dass sich "schon in frühester Zeit [...] das Bedürfnis geltende machte, sich mit einer Vertrauensperson über irgend eine Sache schriftlich so zu verständigen, daß die schriftliche Mitteilung, wenn sie Dritten in die Hände fällt, von diesen nicht verstanden werden soll." Sein Büchlein versprach Hilfe. Denn "natürlich mußte zu diesem Zwecke von den beiden Eingeweihten ein besonderes System über die Form der Mitteilung vereinbart werden, und so entstand die Geheimschrift [...]." Das angesprochene System ist nichts anderes als die Verständigung auf eine Verschlüsselungsmethode. Von diesen gab es selbst zur damaligen Zeit Dutzende zur Auswahl. Sie tragen meist die Namen Ihrer Erfinder oder die genutzte Methodik wie Vigenère, Playfair oder Grille.

Ausreichend sicher

In den Büchlein, die dem normalen Bürger einen Einblick in die Kryptographie ermöglichen sollten, fanden sich in aller Regel jedoch nur die einfachsten Methoden wieder. Das lag – so meine Vermutung – an der Tatsache, dass der Autor an möglichst hohen Verkaufszahlen interessiert war. Der Großteil des Volkes dürfte jedoch ungebildeter Pöbel gewesen sein. Selbst die, die so ehrbaren Berufen wie Schuhmacher oder Schneider nachgingen, dürften in den seltensten Fällen in der Lage gewesen sein, komplexe Algorithmen zu verstehen. Also blieben nur geheime Tinten (Zitronensäure), einfache Versetzungen (Transposition) und einfache Ersetzungen (Substitution). Alles Dinge also, die ein geübter Dechiffreur wie Lothar Philipp in Null Komma Nix entschlüsseln konnte.

Die erste Postkarte im Kryptorätsel von genua ist mit so einer einfachen Methodik verschlüsselt. Sie sollte leicht zu lösen sein und dient quasi zum Aufwärmen. Aber lassen Sie sich nicht täuschen: Wenn Sie sich auf den ersten Blick auf dem Holzweg vermuten, schauen Sie ruhig ein zweites Mal hin. Denn selbst Lothar Philipp konnte nicht wissen, dass es heutzutage ... Ach nein, das wird hier nicht verraten. Sonst ist es am Ende zu einfach.

Entschlüsseln Sie die Ansichtskarte und gewinnen Sie beim Kryptorätsel!

Um diese Karte geht es. Bedenken Sie: Es gab Zeiten, da wurden "i" und "j" als ein Buchstabe gesehen. Jetzt aber! Wir freuen uns auf Ihre Lösung – weitere Infos auf der Teilnahmeseite.

Miträtseln & gewinnen!

In jedem Fall lohnt es sich mitzumachen, denn es geht um eine geheime Botschaft und die Teilnahme an unserem Gewinnspiel: Spannende Bücher, eine Binär-Armbanduhr und ein Hauptpreis, der unter denjenigen Teilnehmern verlost wird, die unsere zwei Rätsel im Advent richtig gelöst haben, warten auf Sie.

Sie haben die Verschlüsselung bereits geknackt? Glückwunsch, dann haben Sie die erste von zwei Aufgaben unseres Gewinnspiels erfolgreich gelöst!

 

Unser Gastautor Tobias Schrödel ist bekannt durch seine Fernsehbeiträge zu Stern TV und seine Live-Vorträge über die dunkle Seite der Computertechnologie. Auf der Bühne und in seinen Büchern erklärt er technische Systemlücken und Zusammenhänge für jeden verständlich und lässt dabei auch den Spaß nicht zu kurz kommen. In seinem Blog schreibt er regelmäßig über neue Technik-Themen: Verständlich und stets mit einem Augenzwinkern.

Bildquelle: Gina Sanders - Fotolia.com


Lesen Sie auch

Diskutieren Sie mit

Sie können diesen Artikel sofort ohne Registrierung als Gast-User kommentieren.

Registrieren Sie sich jetzt! Mit einem User Account genießen Sie Vorteile:
Ihr Kommentar wird sofort im genublog veröffentlicht und Sie werden über Reaktionen auf Ihre Kommentare informiert.

Bereits registrierte User gelangen hier zum Login.



Registrieren Sie sich jetzt! Mit einem User Account genießen Sie Vorteile:
Ihr Kommentar wird sofort im genublog veröffentlicht und Sie werden über Reaktionen auf Ihre Kommentare informiert.

Bereits registrierte User gelangen hier zum Login.