Meine ersten Erfahrungen in einem deutschen Unternehmen

Meine ersten Erfahrungen in einem deutschen Unternehmen

Seit April diesen Jahres bin ich Praktikantin bei genua. Es war wahrscheinlich ungewöhnlich für die Mitarbeiter, eine Japanerin Mitte 40 als Praktikantin zwischen den jungen Azubis im Haus zu sehen. Auch für mich war es eine spannende Erfahrung, in ein deutsches Unternehmen einzutreten, weil ich bisher zwar in Deutschland, aber in einer japanischen Firma gearbeitet habe. Bald ist der fünfte Monat meines Praktikums vorbei und ich habe mich mittlerweile gut im Unternehmen eingelebt. Deshalb möchte ich Ihnen heute etwas über meine bisherigen Erfahrungen bei genua berichten.

Vor zwei Jahren habe ich bei einem japanischen Verein in München gearbeitet. Meine Aufgaben waren z. B. in München wohnenden japanischen Mitgliedern zu helfen, japanische Veranstaltungen zu organisieren und die Vereinskasse zu verwalten. Dabei hatte ich viel zu tun und auch Spaß. Aber mir fehlte etwas. Meine Welt konzentrierte sich überwiegend auf den japanischen Kulturkreis. Ich dachte mir immer wieder: Wenn ich so weiter lebe, werde ich nie in der deutschen Gesellschaft integriert sein. Deshalb habe ich meine Tätigkeit im Vereinsbüro beendet und mich für eine zweijährige Umschulung zur Bürokauffrau entschieden.

Letztes Jahr im Juni hat meine Ausbildung bei der Sabel Akademie begonnen. Meine Klasse besteht aus vielen Ausländern verschiedener Altersgruppen mit unterschiedlichem Hintergrund. Aber alle haben das gleiche Ziel: Eine Berufsqualifikation erwerben und mit kaufmännischem Wissen im Büro arbeiten. Es war eine temperamentvolle, bunte Klasse, und alle haben sich neun Monate lang durch schwer verdaulichen Unterrichtsstoff gekämpft. Anschließend begann unser Praktikum.

Wie ich zu genua kam

Als ich einen Platz für mein siebenmonatiges Praktikum gesucht habe, wurde ich von einer Mitarbeiterin der genua mbh über das Unternehmen informiert. Unsere Söhne sind gut befreundet und als sie hörte, dass ich auf der Suche nach einem Praktikumsplatz bin, kam sie auf mich zu und berichtete mir von genua. Daraufhin habe ich gleich die Webseite besucht. Da ich bereits zahlreiche Firmen recherchiert hatte, ist mir sehr schnell aufgefallen, dass genua ein außergewöhnliches Unternehmen ist. Bei genua sind ca. 180 Mitarbeiter beschäftigt, davon über zehn Prozent Auszubildende. Die Firma ist mitarbeiterfreundlich und betreibt einen eigenen Betriebskindergarten. Nachdem ich das alles gelesen hatte, habe ich mich sofort beworben.

Postverteilung bei genua

Die Zeit am Empfang hat mir sehr viel Spaß gemacht – hier lernte ich schnell viele Mitarbeiter kennen

Sieben Monate Praktikum – und viele neue Herausforderungen

Kurze Zeit später habe ich den Leiter der Verwaltung bei genua kennen gelernt. Er hat für mein siebenmonatiges Praktikum einen maßgeschneiderten Terminplan erstellt. Dieser sieht monatlich einen Abteilungswechsel vor – dadurch kann ich innerhalb dieser Zeit möglichst viele Fertigkeiten als Bürokauffrau lernen.

Zunächst habe ich an zahlreichen internen Schulungen teilgenommen und hatte zum Beispiel einen Crashkurs zum internen Verwaltungssystem und zu Linux-Grundlagen. Als normaler Windows-User hatte ich nur grafische Oberfläche verwendet und habe nie im Leben in Frage gestellt, was im Hintergrund passiert. Die Trainerin sagte: "Ihr seid Maus-Junkies. Aber eigentlich können wir für die ganze Arbeit ohne Maus auskommen. Manchmal ist diese klassische Methode sogar viel schneller." Wir haben alle gelacht, aber man kann wirklich unendlich viel dazulernen.

Bis jetzt habe ich den Empfang, die Reiseabteilung und die Auftragsverwaltung besucht, die Tätigkeiten kennengelernt und fleißig mitgearbeitet. Am Empfang hatte ich viel Spaß, obwohl ich anfangs Angst vorm Telefonieren hatte – die deutschen Namen sind für mich sehr schwierig. Und die Kunden mit dem gewünschten Mitarbeiter unter 180 Leuten zu verbinden, war gar nicht so einfach. Aber meine zwei Kolleginnen haben mich kräftig unterstützt, so dass ich diese Aufgabe meisterte.

In der Reiseabteilung müssen die Dienstreisen möglichst wirtschaftlich gebucht werden. Die Reiseangebote sind vielfältig, deshalb muss man immer die individuellen Konditionen und Preise vergleichen. Die Reiseabteilung erhält oft spontane Aufträge oder Änderungswünsche. Dann muss man flexibel darauf reagieren. In der Abteilung ist die Erfahrung und Flexibilität der Sachbearbeiterin sehr gefragt. Jetzt bin ich in der Auftragsverwaltung. Dies ist die Herz-Funktion des kaufmännischen Bereichs der Firma. Ich übe täglich in einer Testdatenbank, neue Aufträge anzulegen und stelle meinen Kolleginnen zwischendurch Fragen über Ausfuhr, Inventur oder Warenbestellung.

Der große Unterschied zwischen deutschen und japanischen Firmen

Was ich sehr interessant finde ist, dass sich alle Firmenmitarbeiter duzen. Die Firmenorganisation ist bewusst flach aufgebaut. Es ist für mich sehr ungewöhnlich und fällt mir schwer, alle Kollegen bis zum Geschäftsleiter mit ihren Vornamen anzusprechen. In einer japanischen Firma ist das unvorstellbar, weil die meisten Firmen stark hierarchisch aufgebaut sind. Als ich am Empfang bei genua saß, sind Geschäftsleiter und mein direkter Vorgesetzter immer wieder mal zum Empfang gekommen und haben uns gefragt, "Wie geht’s Euch? Ist alles in Ordnung?" Ich war echt sehr überrascht.

Ich freue mich, dass in den weiteren Monaten in der Buchhaltung und im Marketing wieder neue Aufgaben auf mich warten. Ebenso werde ich weiter gerne an den internen Schulungen teilnehmen und neues Wissen dazugewinnen. Ich fühle mich gefordert und gefördert.

 

Lesen Sie auch: Neu bei genua – eine Bestandsaufnahme


Diskutieren Sie mit

Sie können diesen Artikel sofort ohne Registrierung als Gast-User kommentieren.

Registrieren Sie sich jetzt! Mit einem User Account genießen Sie Vorteile:
Ihr Kommentar wird sofort im genublog veröffentlicht und Sie werden über Reaktionen auf Ihre Kommentare informiert.

Bereits registrierte User gelangen hier zum Login.



Registrieren Sie sich jetzt! Mit einem User Account genießen Sie Vorteile:
Ihr Kommentar wird sofort im genublog veröffentlicht und Sie werden über Reaktionen auf Ihre Kommentare informiert.

Bereits registrierte User gelangen hier zum Login.