Nachgefragt: Wie aus einem IT-Startup ein nationaler Player wurde

Nachgefragt: Wie aus einem IT-Startup ein nationaler Player wurde

Zum ersten September erwarb die Bundesdruckerei einen Anteil an genua – beide Unternehmen erhoffen sich eine erfolgreiche Nutzung geschäftlicher Synergien. Die Geschichte von genua begann aber bereits 1992, als klassisches IT-Startup. Ob die damaligen Gründer und heutigen Geschäftsführer Tipps für heutige Startups haben, erfahren Sie hier.

Seit der Unternehmensgründung 1992 beschäftigt sich genua mit der Absicherung von Netzwerken und entwickelt Lösungen für Kunden aus der Privatwirtschaft und dem öffentlichen Bereich. Die Firma wurde von drei Absolventen des Physik-Departments der TU München als klassisches Startup gegründet. Über die folgenden 20 Jahre entstanden rund 200 Arbeitsplätze – man kann also durchaus von einem kontinuierlichen Erfolg sprechen. Wir hinterfragen die Erfolgsfaktoren von genua und versuchen herauszufinden, inwieweit diese für heutige Startups Gültigkeit haben.

Heute liest man viel über Startups, das Thema hat eine gewisse Hippness. Ob es dann immer klappt mit der Geschäftsidee, steht auf einem anderen Blatt. In welcher wirtschaftlichen Grundstimmung Anfang der 90er Jahre seid Ihr in Euer Vorhaben eingestiegen? Hattet Ihr Grund zu glauben, dass es Euer Startup 2015 noch geben würde?

Bernhard Schneck: Damals, im "letzten Jahrtausend", gab es im Computerbereich auch eine Art Aufbruchstimmung: UNIX-Systeme waren den verfügbaren PCs weit überlegen und wurden doch immer günstiger. Die ersten PC-Versionen von Unix-basierenden und Unix-ähnlichen Systemen (386BSD, Minix, Linux) kamen auf den Markt, "das Internet" war in den Hochschulen verbreitet und die ersten kommerziellen Nutzer haben es eingeführt – mit 64kBit/sec Leitungen, mehr war unbezahlbar!

Geschäftsführer Bernhard Schneck bei der Feier zum 20-jährigen FirmenjubiläumAus GeNUA wird genua: 2012 feierten wir das 20-jährige Firmenbestehen

Dass es GeNUA – so die alte Schreibweise – nach 23 Jahren auf über 200 Mitarbeiter bringt und ein wesentlicher Player in der deutschen IT-Sicherheits-Industrie ist, das haben wir uns damals in der Form nicht vorgestellt.

Nach über 20 Jahren Erfahrung, sicher mit den üblichen Auf- und Abschwüngen: Erkennt Ihr wichtige Handlungsmuster in Eurer Unternehmensführung, die genua unter dem Strich zu einer Erfolgsgeschichte gemacht haben?

Bernhard Schneck: Ich denke, ein wesentlicher Punkt ist, dass wir nie über unsere Verhältnisse gelebt haben. Das gesamte Wachstum des Unternehmens wurde aus eigener Kraft und mit den eigenen Gewinnen erwirtschaftet. Das ist ein deutlicher Unterschied zur heutigen Startup-Szene, bei der es darum geht, für eine Idee möglichst schnell möglichst viel Kapital einzuwerben, um sie mit voller Power zur Marktreife zu entwickeln.

Wir dagegen sind immer etwas mit "angezogener Handbremse" gefahren und haben dadurch bei einigen Entwicklungen länger gebraucht, als wir es uns gewünscht hätten. Andererseits konnten wir durch das organische Wachstum auch unsere Strukturen stetig weiterentwickeln und sind auch in diesem Bereich gut aufgestellt.

Habt Ihr Euch immer auf Eure betriebswirtschaftlichen Einschätzungen verlassen oder bei wichtigen Entwicklungsschritten externe Wirtschaftsberater hinzugezogen? Wie steht Ihr generell zu diesem Thema?

Bernhard Schneck: Bestimmte Beratungsleistungen muss man immer extern einkaufen. Ohne das geht es nicht – denn man kann als Mittelständler nicht in jedem Fachbereich das komplette Expertenwissen im Haus haben, z. B. im Steuerrecht oder bei komplexen Verträgen. Teilweise holen wir uns auch bei Projekten kompetente Hilfe ins Haus. Auf der anderen Seite haben wir auch Dinge gemacht, die bei einer auf kurzfristige Ertragsmaximierung ausgerichteten Planung sicher nicht umgesetzt worden wären, z. B. unsere erste ITSEC-Zertifizierung der Firewall genugate. Das hat uns massiv Aufwand gekostet, war aber genau in der Zeit fertig, in der vielen anderen nach dem Platzen der dotCOM-Blase die Luft ausgegangen ist – wir hatten ein gutes Produkt, jetzt mit BSI-Zertifikat, und damit einen Wettbewerbsvorteil, mit dem wir diesen Abschwung mit einem kleinen blauen Auge überstanden haben. Wichtig ist, dass man seine Ideen umsetzt, evtl. auch gegen Widerstände … und dann – hoffentlich – die Früchte ernten kann. 

Hat die Tatsache, dass Ihr drei mit einer besonderen Sichtweise – der eines Physikers – Managementpositionen eingenommen habt, den Weg des Unternehmens mitgeprägt?

Bernhard Schneck: Naja, in der Ausbildung in der Physik lernt man schon, sich nicht zu sehr vom ersten Anschein täuschen zu lassen, sondern das Offensichtliche zu hinterfragen und den Dingen auf den Grund zu gehen. Und es hat natürlich geholfen, dass Michaela nebenbei auch noch zwei weitere Studiengänge mit etwas mehr Business-Bezug absolviert hat.

Gibt es ein paar Tipps von Euch für Jungunternehmer, die heute in der IT-Branche ein Startup gründen wollen? Was ist aus Eurer Sicht dabei unbedingt zu tun bzw. zu vermeiden? Gibt es überhaupt generell Regeln?

Bernhard Schneck: Nein, eine generelle Regel wie man mit einem Startup garantiert zum Milliardär wird, gibt es wohl leider nicht, sonst wären wir alle schon Zuckerbergs. Aber "nicht locker lassen" und "nicht den Blick auf die Realität verlieren" sind schon zwei wichtige Prinzipien, mit denen man viel erreichen kann.

Gebt Ihr Eure Erfahrung in Mentoring-Programmen z. B. in Verbänden an junge Leute weiter, die Euch als Gründer nacheifern wollen?

Bernhard Schneck: Es gibt eine Reihe von Möglichkeiten, die Erfahrungen weiterzugeben und auch von Erfahrungen anderer zu profitieren. Das nutzen wir natürlich – sowohl um eigene Mitarbeiter voranzubringen, als auch um zu unterstützen.

Es heißt ja, die Deutschen scheuen mehrheitlich das unternehmerische Risiko. Aus Eurer heutigen Sicht betrachtet: Würdet Ihr den Weg als Firmengründer und Geschäftsführer wieder einschlagen oder doch lieber in einem Forschungszentrum als Physiker arbeiten?

Bernhard Schneck: Die interessanten Stellen im akademischen Forschungsbetrieb sind nicht besonders üppig, da muss man sich ebenfalls ziemlich reinhängen, um was zu erreichen. Das ist also nicht viel anders, wenn man sich in die Privatwirtschaft begibt. Ich denke, man muss sich überlegen, auf welchem Weg man seine Ziele am Besten erreichen kann, dann den "Tiger am Schwanz packen" und sich nicht abschütteln lassen.

Danke für das Gespräch!

Lesen Sie auch: Unternehmensführung: Manchmal ist es gut, ein Dino zu sein!


Diskutieren Sie mit

Sie können diesen Artikel sofort ohne Registrierung als Gast-User kommentieren.

Registrieren Sie sich jetzt! Mit einem User Account genießen Sie Vorteile:
Ihr Kommentar wird sofort im genublog veröffentlicht und Sie werden über Reaktionen auf Ihre Kommentare informiert.

Bereits registrierte User gelangen hier zum Login.



Registrieren Sie sich jetzt! Mit einem User Account genießen Sie Vorteile:
Ihr Kommentar wird sofort im genublog veröffentlicht und Sie werden über Reaktionen auf Ihre Kommentare informiert.

Bereits registrierte User gelangen hier zum Login.