Unternehmensführung: Manchmal ist es gut, ein Dino zu sein!

Unternehmensführung: Manchmal ist es gut, ein Dino zu sein!

Als inhabergeführtes Unternehmen setzt genua auf moderates Wachstum – und das bereits seit 20 Jahren. Die dot.com-Euphorie und die Chancen, die der "Neue Markt" Startups und Anlegern versprach, ließen mich als Mitgründerin und Geschäftsführerin ziemlich kalt. Die damals von den Aktionären gesponserte Party fand in anderen Unternehmen statt und endete bekanntlich allzu oft mit einem bösen Kater. Ein Plädoyer für nachhaltiges Wirtschaften.

Lust auf einen Zeitsprung? Versetzen wir uns zurück in das Jahr 1999, genauer gesagt in den März 1999. In Hannover findet die CeBIT statt. Es ist eines jener Jahre, in denen sich die Meldungen überschlagen: noch mehr Aussteller! Noch mehr Besucher! Die New Economy stellt einen Rekord nach dem anderen auf. Spektakuläre Börsengänge schwirren durch die Wirtschaftsseiten der Presse. Das Internet ist vom schnöden Datentransportmedium zum Heilsbringer der Wirtschaft avanciert. Die dot.com-Blase wuchert.

DinoManchmal ist es gut, ein Triceratops zu sein

Ich hingegen stehe auf unserem Messestand und erkläre unserem völlig entsetzten Banker, dass ich nicht im Traum daran denken würde, genua an die Börse zu bringen. Ich komme mir dabei vor wie ein prähistorischer Dinosaurier, der soeben der Trias entstiegen ist. Und so wie unser Betreuer mich ansieht, muss ich ein ziemlich wehrhafter Dinosaurier sein – Triceratops oder so. Aber ich bin mir ganz sicher: Ein Unternehmen mit damals weit unter 50 Mitarbeitern und einer Bilanzsumme in der Größenordnung von 1,5 Mio. DM ist zu klein, um einen Börsengang zu überstehen. Das Geld, das uns der Börsengang zweifellos in die Kassen spülen würde, müssten wir sinnvoll anlegen, das erwarten die Aktionäre. Und anlegen bedeutet: andere Firmen kaufen, denn soviel kann ein Softwareunternehmen in kurzer Zeit gar nicht investieren. Und selbst wenn: Jeder denkbare Weg würde ein enormes Wachstum um ein Vielfaches der ursprünglichen Unternehmensgröße bedeuten. Wie sollen wir dabei unseren Qualitätsanspruch bewahren? Unsere Unternehmenskultur? Es kann nicht funktionieren. Ich habe Ideale von Qualität, von Kundenorientierung und von Mitarbeiterkultur, die ich nicht an der Börse opfern will. Mein Triceratops-Ich schüttelt den Kopf und bleibt beim Nein. Der Banker verlässt den Messestand. Man sieht ihm an, dass er uns aufgegeben hat. Er sieht uns aussterben.

Andere Unternehmen sind da nicht so zurückhaltend. Hinter meinem Schreibtisch hängt zu dieser Zeit eine Strichliste. Jeder Strich steht für einen Aufkaufversuch. Denn die anderen, die frisch an die Börse gegangen sind, haben alle dasselbe Problem: sie müssen wachsen – und das geht nur dann schnell, wenn man andere Unternehmen kauft. Aber auch hier bleibt mein Triceratops-Ich beim sturen nein. Ich bin Unternehmerin aus Leidenschaft und nicht aus Geldgier. Warum sollte ich dieses mit viel Energie aufgebaute Unternehmen verkaufen und dann zusehen, wie es bei einer Fusion zugrunde geht? Nicht mit mir!

Geschäftsführer der genua mbhDie alleinigen Inhaber von genua beim 20-jährigen Firmenjubiläum: Dr. Michaela Harlander, Bernhard Schneck, Dr. Magnus Harlander (v.l.n.r.)

Unsere Unternehmensphilosophie ist anders: Wir wollen nur aus eigener Kraft und moderat wachsen. Wir schütten unsere Gewinne nicht an die Anteilseigner aus, sondern lassen sie im Unternehmen. Sie dienen der Finanzierung unseres Wachstums. Und wir wollen nur soviel neue Mitarbeiter einstellen, wie wir sinnvoll einarbeiten können. Jedes Zuviel kostet Qualität. Und selbst moderates Wachstum ist über viele Jahre hinweg nicht einfach umzusetzen. Das braucht viel Wissen über Prozesse, Veränderungsmechanismen und hohe Kommunikationskompetenz. Alles Fähigkeiten, die erst einmal erarbeitet sein müssen.

Für genua hat diese Strategie gut funktioniert. Wir sind seit 1999 langsam, aber stetig gewachsen. Alle paar Jahre haben wir eine Verschnaufpause eingelegt, um dann weiter stetig zu wachsen. Wir sind hochprofitabel und erfolgreich.

Dinosaurier haben die Erde weit über 200 Millionen Jahre beherrscht. Und selbst 60 Millionen Jahre nach ihrem Aussterben weiß so ziemlich jedes Kindergartenkind, wie ein Triceratops aussah. Unsere Vögel entwickelten sich aus den Dinos. Ein bisschen leben sie also weiter.

Manchmal ist es nicht verkehrt, den Dinosaurier zu geben.

Von den Unternehmen, die uns 1999 kaufen wollten, existiert heute kein einziges mehr.

genua schon.


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