Von Kabul nach Kirchheim: Ein afghanischer Flüchtling bei genua

Von Kabul nach Kirchheim: Ein afghanischer Flüchtling bei genua

Für ein erfolgreiches Unternehmen wie genua sollte es selbstverständlich sein, soziale Verantwortung in der Region zu übernehmen. Aus diesem Grund möchten auch wir unseren Beitrag zur Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt leisten. Und wenn es dann gleich viel Positives zu berichten gibt, ist das auch einen Blogartikel wert!

Wir sind ganz ehrlich: Dieser Gedanke beruht nicht rein auf altruistischen Gründen, sondern wir haben selbstverständlich auch das enorme Potenzial dieser Personengruppe für uns als Unternehmen erkannt. Als sich dann im Frühjahr 2016 ein Flüchtling aus Afghanistan bei genua um ein Praktikum bewarb, war es Zeit, unser Vorhaben in die Tat umzusetzen.

Erstes Kennenlernen

Muhammad hatte von einem Mitarbeiter, der sich ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe engagiert, von unserem Unternehmen erfahren und bezüglich eines IT-Praktikums angefragt. Bevor er nach Deutschland kam, hatte Muhammad in Kabul bereits einen Bachelor in Electrical Engineering absolviert und konnte somit bereits einige technische Kenntnisse aufweisen. Seine Sprachkenntnisse umfassten neben Urdu auch fortgeschrittene Englischkenntnisse und erste Grundkenntnisse in Deutsch.

Wie andere Praktikumsbewerber auch, luden wir ihn zunächst zu einem Vorstellungsgespräch ein. Dieses führten wir auf Englisch, um Muhammad das Gespräch zu erleichtern und um zu verhindern, dass sprachliche Barrieren das gegenseitige Kennenlernen stören. Muhammad konnte insbesondere durch seine hohe Motivation und seinen erkennbaren Willen, erforderliche Fachkenntnisse zeitnahe aufzubauen, überzeugen. Beide Seiten waren sich einig: Ein dreimonatiges Orientierungspraktikum bei genua sollte erfolgen.

Gemeinsam neue Wege gehen

Bis dahin ging alles noch recht einfach und fast genauso wie bei einem „normalen“ Praktikumsbewerber – doch jetzt wurde es kompliziert. Es stellten sich Unmengen an Fragen: Welche Rahmenbedingungen muss das Unternehmen einhalten? Welche Formulare müssen von Bewerber und Unternehmen wo abgegeben werden? Nachweise über Krankenversicherung, Sozialversicherung, Steuer-ID – was davon hat Muhammad bzw. hat er als Flüchtling im Asylverfahren Anspruch auf diese Dokumente und falls ja: woher bekommt er sie? Wie sieht es mit der Praktikumsvergütung aus? Diese vielen "Fragezeichen" führten zu einem intensiven Austausch mit Arbeitsagentur, Jobcenter, BAMF, Kreisverwaltungsreferat u. v. m. und leider immer wieder zur Erkenntnis: Genaue Antworten auf die vielen Fragen zu erhalten, ist nahezu unmöglich.

Weiß, was er will: Muhammad auf dem Weg zum Fachinformatiker für Systemintegration

Mit der Zeit konnten wir aber herausfinden, welche Stelle in welchem Themengebiet am besten weiterhelfen kann. Trotzdem verlangte es seitens genua viel Geduld und Einsatz, um die nötigen Informationen zu sammeln. Auch Muhammad musste seine Motivation für das Praktikum bei genua immer wieder unter Beweis stellen, da er regelmäßig bei den verschiedenen Behörden persönlich vorstellig werden musste. Dies war meist mit stundenlangen Wartezeiten verbunden, an deren Ende dann ein fünfminütiges Gespräch mit dem zuständigen Sachbearbeiter stand, der den ersehnten Stempel auf das benötigte Formular setzte.

Diese umfangreichen Vorarbeiten führten dazu, dass der Praktikumsstart zweimal um einige Tage nach hinten verschoben werden musste, aber am 8. Juni 2016 waren dann endlich alle Stempel und Unterschriften an der richtigen Stelle und Muhammad konnte sein Praktikum bei genua beginnen.

Angekommen mit einem klaren Ziel vor Augen

Muhammad hatte bereits im Vorstellungsgespräch deutlich gemacht, dass er gerne eine Ausbildung zum Fachinformatiker absolvieren möchte. Daher hatten wir uns entschlossen, sein Praktikum nicht wie sonst bei uns üblich in einer Gruppe bei genua anzusiedeln, sondern in mehreren für Fachinformatiker relevante Gruppen. Ziel war, dass er sich ein möglichst umfassendes Bild des Berufs machen konnte.

Muhammad überraschte uns bereits am ersten Praktikumstag positiv: Er hatte in der Zwischenzeit fleißig an der Verbesserung seiner Deutschkenntnisse gearbeitet. Während des Praktikums bewies er sein Engagement und seine Lernbegierde jeden Tag aufs Neue.

Unsere Begeisterung für Muhammad beruhte auf Gegenseitigkeit: Auch für Muhammad brachte das Orientierungspraktikum die Gewissheit, dass  er weiterhin an der beruflichen Perspektive "Fachinformatiker bei genua" arbeiten möchte. Auf dieser Basis erfolgte zum 1. September 2016 die Übernahme in eine Einstiegsqualifizierung für IT-Installation und Konfiguration. Diese hat zum Ziel, Muhammads sprachliche und fachliche Kenntnisse so zu verbessern, dass er ab September 2017 eine Ausbildung zum Fachinformatiker für Systemintegration bei genua absolvieren kann.

Neben Muhammad konnten wir 2016 noch zwei weiteren Flüchtlingen die Chance bieten, einen Einblick ins Unternehmen zu erhalten. Ein afghanischer Jugendlicher absolvierte ein zweiwöchiges Orientierungspraktikum bei genua und ein irakischer Ingenieur, der mit seiner Familie nach Deutschland geflüchtet ist, konnte nach einem dreimonatigen Orientierungspraktikum in eine unbefristete Festanstellung übernommen werden und bereichert unsere Product Owner.

Hier klicken für weitere Infos: Praktikum & Ausbildung bei genua.

 

Bildquelle: JiSign - Fotolia.com


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