25 Jahre genua – Zeit zum Loslassen

25 Jahre genua – Zeit zum Loslassen

In der IT-Branche zählt Innovation mehr als Tradition. Daher ist das Motto unseres Jubiläumsjahres bewusst auf die Zukunft gerichtet: "25 Jahre genua – mit Sicherheit erst der Anfang". Und trotzdem sind auch die Ursprünge und die Geschichte eines Unternehmens spannend. Wie sich genua vom "Baby zum Erwachsenen" entwickelt hat, erzählt Dr. Michaela Harlander, Mitgründerin, Mitgesellschafterin und ehemalige Geschäftsführerin.

So eine Familie durchlebt vielfältigste Phasen. Es gibt die Zeit der Familienplanung. Dann die Zeit mit den kleinen Kindern, die einem kaum noch Luft für anderes lässt. Die Zeit, in der man mit Einrichtungen wie Kindergarten und Schule zu tun hat. Die Zeit der Pubertät, in denen externe Einflüsse bedeutender werden und nur bedingt kontrolliert werden können. Und irgendwann kommt die Zeit loszulassen.

Zu einem Unternehmer sagen viele Menschen gerne, wenn sie über das Unternehmen sprechen: "Aber das ist doch dein Baby". Die Parallele zwischen Familie und dem eigenen Unternehmen, das man selbst gegründet und zum Wachsen gebracht hat, ist für viele Menschen offensichtlich.

Kind stürmt durch Papierwand Ob Familie oder Unternehmen: Beides hält trotz aller Planung im Laufe der Jahre immer wieder unerwartete Überraschungen bereit

Wie Familie – geplant und doch überraschend

Anfang 2017 wurde genua 25 Jahre alt. Und als ich mich zum 1. Januar dieses Jahres aus der Geschäftsführung zurückzog, sprachen mich viele voller Unverständnis an: "Aber das ist doch dein Baby!" Nun hatten die meisten derjenigen, die das sagten, noch kein Kind durch die Pubertät gebracht und waren daher noch in seligem Unwissen über die Irrungen und Wirrungen des Erwachsenwerdens. Aber die Idee, dass man ein Unternehmen auch loslassen kann wie man ein Kind loslassen muss, befremdete viele.

Tatsächlich gibt es viele Parallelen zwischen einer Familie und einem Unternehmen. Wenn man ein Unternehmen gründet, weiß man nicht so recht, worauf man sich wirklich einlässt. Man macht fleißig Pläne, aber letztlich läuft dann doch alles anders, als man sich das so dachte. Das junge Unternehmen fordert schließlich wirklich jede freie Minute, damit es genügend Fürsorge für das Wachstum erhält. Zu guter Letzt kommen mit zunehmender Reife des Unternehmens all die Externen hinzu, mit denen man sich auseinandersetzen muss: seien es Behörden, Banken oder Wettbewerber. Mit zunehmender Größe kommen bürokratische Auflagen hinzu, mit denen sich der junge Unternehmer auch erst einmal abfinden muss.

Vorstellungen und Wirklichkeit

Natürlich hat man so als Gründer Vorstellungen davon, wie sich das Unternehmen entwickeln soll. Manch einer träumt davon, eines der wenigen Einhörner zu erschaffen. So vermessen waren wir genua-Gründer nicht. Ich erinnere mich daran, wie mich ein Freund wenige Jahre nach Gründung der genua fragte, wie groß wir Gründer das Unternehmen denn aufbauen möchten. Zu dieser Zeit hatte genua neben den drei Gründern gerade mal zwei Angestellte. Ich überlegte und meinte, sehr waghalsig zu sein, wenn ich mir ein Unternehmen mit insgesamt zehn Mitarbeitern vorstellte. Heute hat genua deutlich mehr als 200 Mitarbeiter und wird in den nächsten Jahren weiter wachsen. Meine Vorhersagen wurden dann auch im Lauf der Jahre deutlich besser ;).

Die Gründer der genua gmbhgenua: 1992 gegründet von Dr. Michaela Harlander, Dr. Magnus Harlander und Bernhard Schneck

Zu den Dingen, die man sich vor der Gründung eines Unternehmens gar nicht vorstellen kann, gehört die Tatsache, dass es nie, wirklich nie, sicheren Boden unter den Füßen gibt. Ähnlich wie man nie weiß, mit welcher genialen Idee die eigenen Kinder um die Ecke kommen (beispielsweise Frösche im Wohnzimmer auszusetzen oder das Bad vollflächig zu fluten), weiß man als Unternehmer nie, welche Entwicklungen es in den nächsten Jahren geben wird, seien es Entwicklungen technologischer Art, regulatorischer Art oder einfach eine Veränderung von Marktgegebenheiten. Selbst wirklich große Unternehmen leben in dieser Unsicherheit.

Natürlich kann man in gewisser Weise Risiken verringern (und schiere Größe hilft dabei deutlich), aber viele Risiken können nur bedingt beeinflusst werden und bleiben auf einem Niveau, das empfindlichere Naturen um den Schlaf bringen dürfte.

Als mir jemand aus dem Bekanntenkreis vor vielen Jahren einmal sagte "Ihr habt es geschafft!", überlegte ich kurz, ob ich erklären sollte, dass man es nie "schaffen" könne und überhaupt gerade eine besonders unsichere Phase sei. Aber dann fiel mir ein, dass mein Gesprächspartner während seiner gesamten Berufstätigkeit ein gut bezahlter Beamter in einer eher ruhigen Position war, er selbst daher berufsbezogene Risiken aus eigener Anschauung kaum kannte und er meine Aussagen wohl als reine Panikmache abtun würde. Den Effekt kennt jeder IT-Sicherheitsspezialist, der einmal versucht hat, in seinem nicht-technikaffinen Bekanntenkreis Bewusstsein für mögliche Gefährdungen zu schaffen – letztlich sind die Zuhörer irgendwann davon überzeugt, jemanden mit Verfolgungswahn vor sich sitzen zu haben.

Zeit für neue Impulse

Mit 25 Jahren ist genua nun definitiv erwachsen. Jetzt ist es an der Zeit, dass das Unternehmen weitere Entwicklungsschritte geht, die nicht mehr nur durch die Gründer gesteuert werden. Neue Anteilseigner, neue Geschäftsführer können und werden neue Impulse geben.

Wenn mich das nächste Mal jemand auf meinen Rückzug von genua mit vorwurfsvollen Worten "Aber das ist doch dein Baby!" anspricht, werde ich antworten: "Eben. Willst du vielleicht, dass deine Kinder als Erwachsene noch bei dir wohnen?"

Denn wie auch in der Familie bedeutet die Loslösung ja nicht, dass man nicht mehr miteinander spricht. Sich austauschen, Rat einholen – das alles macht ja nach wie vor Sinn. Und Jubiläen feiert man immer noch gerne miteinander. Ich bin jedenfalls sehr gespannt darauf, wo genua zum 30., 40. oder 50. Jubiläum stehen wird.

 

Bildquelle: © Robert Kneschke, Dron - Fotolia.com


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