Der Hobby-Imker von genua

Der Hobby-Imker von genua

Andreas, unserer Kollegen aus dem Public Sales, darf sich stolzer Vater von ca. ½ Millionen fleißigen Geschöpfen nennen, die ihm seine freie Zeit versüßen. Hier berichtet er von seinem Hobby, der Imkerei.

Meine Urgroßväter hatten bereits Bienen und als ich 2011 einen Artikel über Bienen las hat es mich gepackt: Ein Jahr reifte die Idee in meinem Kopf bevor ich dann meiner Frau den Vorschlag unterbreitet habe, ein Volk im Garten aufzustellen. Sie sah direkt das Ende von Kaffee und Kuchen auf der Terrasse vor sich und legte ein klares Veto ein. Damit wollte ich mich aber nicht geschlagen geben, denn für den Zwetschgendatschi interessieren sich eh nur Wespen. Mit aufregenden Geschichten weckte ich dann auch bei meinen Kindern das Interesse an Bienen. Ich argumentierte sogar damit, dass jedes unserer Kinder ein Haustier (Hase und Katze) und nur ich keines haben dürfte. Nach einigen Wochen hatte ich dann die Freigabe für EIN (!) Volk.

Jetzt galt es, die Nachbarn zu überzeugen. Mit Honig, Bienenwachskerzen und "Propagandamaterial" des Deutschen Imkerbundes konnten eine Zustimmung und die nötigen "Überflugrechte" eingeholt werden.

Ausbildung im Bienenzuchtverein

Damit war der Weg frei und die zweijährige Ausbildung in dem Bienenzuchtverein meiner Wahl konnte beginnen. Schnell wurde mir klar, dass mit einem einzigen Volk nicht optimal zu arbeiten ist: Die Gefahr ist zu groß, dass damit etwas schief geht, und man dann nicht gegensteuern könnte, z. B. indem man Brut oder Futter aus dem einen in das anderen Volk gibt. Deswegen beschloss ich, gleich mit zwei eigenen Völkern die Ausbildung beim Verein zu beginnen. Davon erzählte ich daheim nur beiläufig – zugegeben, für meine Frau wurde mein Projekt immer gruseliger.

Während der Ausbildung stehen die Völker der "Jungimker" hinter dem Vereinsheim auf einer schönen Wiese. So kann man gemeinsam mit seinem Paten an seinem Volk arbeiten und die vielen aufkommenden Fragen sofort besprechen.

Bienenstöcke im GartenDie grüne Gartenidylle ist gleichzeitig Wohnraum und Honigfabrik der fleißigen Bienenvölker

Nach einem Jahr Ausbildung holte ich die Bienen um die Weihnachtszeit nach Hause. Als ich in die Garage fuhr, lugte die Familie vorsichtig von außen in das Auto. In diesem saß ich – unnötigerweise in Schutzkleidung – meine Bienen befanden sich im Kofferraum. Vermutlich habe ich bei der Fahrt gegen das Vermummungsverbot verstoßen aber: Security first! Meine zwei Völker hatten sich aufgrund der winterlichen Temperaturen zu einer Wintertraube zusammen geballt und hatten keine Lust, die behagliche Behausung zu verlassen. Das sollte mir nur recht sein, denn so gelang es mir, meine neuen Haustiere absolut unproblematisch auf ihren vorbereiteten Platz zu bringen.

Jetzt ist es mit Bienenvölkern aber so, dass sich diese bei guter Entwicklung mehr oder weniger oft "teilen". Das bedeutet, aus zwei werden schnell vier und daraus acht. Da meine Frau meine Salamitaktik nicht weiter akzeptiert hat und bei sieben Völkern meinte, es wäre jetzt endlich genug, führte ich noch schnell Volk "0" sowie zwei Transfer-Völker (T1+T2) zur Abgabe im nächsten Jahr ein.

Wenn aus dem Schüler ein Profi wird

Mittlerweile bin ich selbst ehrenamtlicher Bienen-Pate geworden und habe im vergangenen Jahr für die Anfänger des Vereins zehn Ableger, also neue Völker, erstellt, sodass in unserem heimischen Garten kurzfristig 20 Völker standen. Da heißt es aufpassen wo man hin tritt und immer bereit sein, in volle Deckung zu gehen!

Vertrauen ist gut – Schutzkleidung ist besser!

Das ist mir allerdings selbst zu viel geworden und die Klagen der Familienangehörigen manifestierten sich zu einer kleinen Meuterei. Schweren Herzens verkaufte ich deshalb noch einige Völker und bin damit mit nur noch acht Völkern in den diesjährigen Winter gestartet. Einige weitere der bestehenden Völker möchte ich nach dem Winter zusätzlich abstoßen – mehr werden sie eh wieder ganz von selbst. Und mein Hobby soll nicht zu einem Stress-Faktor werden, sondern Spaß machen. Selbst mit sechs Völkern hätte ich immer noch mit Abstand die meisten Haustiere bei uns Zuhause.

Meine Imker-Highlights

Beim Arbeiten an den Völkern kann ich total abschalten. Für mich ist das wie eine Meditation. Und nein, damit meine ich nicht etwa so was wie aufkommende Todesangst.

Im Juni haben sich die meisten Völker auf 50 bis 80 Tausend Bienen vermehrt. Das ist der Zeitpunkt, zu dem sich die "alte" Königin mit der Hälfte der bestehenden Arbeiterinnen eine neue Bleibe sucht: Die Bienen schwärmen.

Auftritt mit HonigköniginKlappern gehört zum Geschäft: Auftritt mit der Bayerischen Honigkönigin

Dabei strömen sie wie ein Wasserfall aus der Beute, erheben sich in die Luft und verdunkeln unter lautem Summen den Himmel. Das ist der schönste und eindrucksvollste Moment. Ich stelle mich dann immer – wenn möglich – mitten rein, breite die Arme aus und bin einfach nur begeistert. Die Bienen sind dabei extrem friedfertig und nur auf die fliegende Königin fixiert.

Je mehr man sich mit diesen kleinen Tieren beschäftigt, desto faszinierender sind sie. Die Organisation im Bienenvolk, die Sensoren der Navigation, der Geruchssinn, das Sehen, der Bienenbau, die wertvollen Produkte wie Honig, Wachs, Propolis, Gelee-Royal und schließlich das Bienengift selbst bringen mich immer wieder aufs Neue zum Staunen.

Nicht zuletzt habe ich durch dieses Hobby auch viele nette Menschen kennengelernt: die vielen Anfänger, die Paten und natürlich die Kunden auf den Veranstaltungen bei denen unser Verein ausstellt. Einmal durfte ich mit Willi von "Willi will‘s wissen" beim Hoffest in der Bayrischen Staatskanzlei die Fragen der Kinder beantworten. Meine Kinder waren natürlich total stolz auf meinen Auftritt! Ein anderes Mal begrüßte ich sogar eine Schulgruppe in meinem Garten.

Bienen sind keine Selbstläufer

Die Imkerei ist ein sehr zeitaufwendiges und zugegeben auch kostenintensives Hobby.
Es gibt Arbeiten, die an einen bestimmten Tag durchgeführt werden müssen – das bedeutet, Wochenende und Urlaubsplanung müssen der Bienenhaltung untergeordnet werden. Auch gibt es Tage, an den man sehr früh aufstehen muss. Trotzdem möchte ich unsere neuen Gartenbewohner nicht mehr missen.

Wenn Sie mehr zur Imkerei erfahren wollen, dann schauen Sie doch mal hier vorbei.

 

Bildquelle: © A. Leinfelder


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