Krypto-Rätsel: Doppelt genäht hielt schon mal besser

Krypto-Rätsel:
Doppelt genäht hielt schon mal besser

Wir freuen uns, Sie auch dieses Jahr zu einem vorweihnachtlichen Krypto-Rätsel einzuladen. IT-Comedian und Sicherheitsexperte Tobias Schrödel präsentiert Ihnen eine spannende Challenge, mit der Sie sich einen dunklen Winterabend verkürzen können. Erfolgreichen Teilnehmern winken attraktive Preise. Also: Jetzt mitmachen und gewinnen!

James Bond sorgt derzeit für Mega-Umsätze dort, wo man aufgepufften Mais für teure Münze verkauft: in den Kinos. Eines wird in den Filmen meist ignoriert. Bond muss mit M, Q und Miss Moneypenny kommunizieren. Auch wenn man das fast nie sieht oder mitbekommt: unverschlüsselt wird er das garantiert nicht tun. Viel zu groß wäre die Gefahr, dass ausländische Geheimdienste oder die Schurken Wind von den bevorstehenden Geheimoperationen bekommen.

Einfach sicher

Tatsächlich ist die geheime Kommunikation bei Spionen auch im echten Leben eine große Herausforderung. Und nicht immer muss dabei High-Tech eine Rolle spielen. Zumindest nicht bei einzelnen Nachrichten. Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl wird nachgesagt, dass er sich aus Angst vor abgehörten Mobiltelefonaten im damaligen C-Netz von seinem Chauffeur auch mal an einer x-beliebigen – weil kabelgebundenen – Telefonzelle absetzen ließ, um den Innenminister anzurufen.

Natürlich sind Geheimdienste in aller Welt an Methoden interessiert, wie sie mit Ihren "Mitarbeitern im Außendienst" sicher kommunizieren können. Und zwar ohne auffällige Technik! Denn alleine die Tatsache, dass jemand eine Verschlüsselungsmaschine besitzt, macht verdächtig. Was läge also näher, als eine Verschlüsselung zu nutzen, die mit unauffälligen Gegenständen realisierbar, trotzdem einfach und halbwegs komfortabel umsetzbar ist – und obendrein natürlich auch noch sicher. Es gibt sie, diese Methode. Sie heißt Doppelwürfel. Wie einfach sie funktioniert, erkläre ich am Ende des Textes.

Verschlüsselung mit Doppelwürfel

Der Doppelwürfel – korrekt durchgeführt – gilt seit seiner Erfindung etwa um 1900 als extrem sicher. Selbst die Großen der Branche sind an ihm gescheitert. Otto Leiberich, vormals BSI-Präsident, schrieb 1999 in einem Artikel der Zeitschrift "Spektrum der Wissenschaft", dass er den Doppelwürfel für nicht zu knacken hält. Es ist wohl das beste Verschlüsselungsverfahren, das jeder Mensch mit Stift und Papier ausführen kann. Das ist schon deshalb erstaunlich, weil die Methode so simpel wie genial ist – und eben unknackbar!

Achtung Schwachstelle!

Unknackbar? Im November 2013 präsentierte ein israelischer Computerspezialist namens George Lasry dem völlig verdutzten Kryptoexperten Klaus Schmeh per E-Mail die korrekte Lösung eines von ihm mit dem Doppelwürfel verschlüsselten Textes. Ein Meisterstück! Lasry hatte der doppelten Spaltentransposition in monatelanger Arbeit eine bis dato unbekannte Schwäche entlockt, die mit der Größe des Restes zu tun hat, wenn man die Textlänge durch die Schlüssellänge teilt – und der Tatsache, dass Schmeh einen Text verwendet hat, der irgendwo im Internet stand. Die genaue Vorgehensweise hat Lasry in der Fachzeitschrift "Cryptologia" veröffentlicht.

Und nun zum Rätsel ...

Das diesjährige Weihnachtsrätsel von genua ist auch ein Doppelwürfel. Aber keine Sorge: Damit Sie die Chance haben, den Text zu lösen, bekommen Sie Hinweise auf die eingesetzten Schlüsselworte. Haben Sie diese herausgefunden, dann müssen Sie nur den Doppelwürfel auflösen – ganz einfach so, wie es James Bond auch getan hätte. Im Kino knackt der aktuell übrigens nur Besucherrekorde, knacken Sie doch unser Weihnachtsrätsel und gewinnen Sie einen Lixada Mini-Scooter, oder eines meiner Bücher mit dem Titel "Ich glaube, es hackt!".

Dieser Hinweis führt Sie zu den Schlüsselwörtern:


Zahlenreihe

Nehmen Sie davon den Singular und teilen Sie das gefundene Kompositum in seine Einzelteile. Sie erhalten zwei Wörter, die als Schlüsselwörter für diesen Doppelwürfel verwendet wurden:

nsnzeeseneuriufisrwrdtunruafifbreinezeeracenttwutaoerarneerrgoeeewyeeatsttdzddcg
uzafkbieeuesintezfioediltiereirctscrtesahiteiekabudeeztomiefnrsmihpiruenisertkwsrhlbu
nneenpdigaslrsstezatomnuanberadeaorcesizserrntprewsieezunelfdadwcehwshednentn
kskedwuebepfeteegnsnrentealfrnmcvciefszdrsesseianksleneicrozandersedulfoindninsw
enelrenthumusdagitghsnnrndszwfiynentantenjtaieeahohlseoue

Das Lösungswort dieses Weihnachtsrätsels ist das erste Wort mit mindestens acht Buchstaben des gefundenen Klartextes.

Lösungshinweise

Bei einer Würfelverschlüsselung – auch Spaltentransposition genannt – wird ein Text ohne Leerzeichen unter ein Schlüsselwort geschrieben. Anschließend sortiert man die Buchstaben und Spalten des Schlüsselwortes nach dessen alphabetischer Reihenfolge und erhält in unserem Beispiel:

Beispiel Doppelwürfel

Wir erhalten nun spaltenweise gelesen HSEAA WCENR LEHTI TS und da wir einen Doppelwürfel machen wollen, nehmen wir dieses Ergebnis als "Klartext" und machen das gleiche noch einmal mit einem anderen Schlüsselwort.

Beispiel Doppelwürfel

Ein Agent würde also SWRTH ANHSA EETEC LI übermitteln. Diese Methode galt solange als sicher, wie man einen ausreichend langen Text, keine gemeinsamen Teiler der Schlüssel- und Textlänge sowie zwei (unterschiedlich) lange Schlüsselwörter verwendete.

Um den Text zu entschlüsseln, geht man den umgekehrten Weg, der aufgrund der Leerstellen allerdings nicht ganz so intuitiv erscheint wie der Hinweg.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Codeknacken! Ihre Lösung können Sie bis spätestens 20. Dezember 2015 an uns senden:

 

Zu unserem Gastautor: Tobias Schrödel ist "Deutschlands erster IT- Comedian". Auf der Bühne und in seinen Büchern erklärt er technische Systemlücken und Zusammenhänge für jeden verständlich und lässt dabei auch den Spaß nicht zu kurz kommen. In seinem Blog schreibt er regelmäßig über neue Technik-Themen: Verständlich und stets mit einem Augenzwinkern.

 

Bildquelle: ©fotogestoeber - Fotolia.com


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